Präsentation der Eberle GmbH Versicherungsmakler für Bauwesen und freie Berufe

Grußwort von Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl, Präsidentin der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, am 23.06.2005 in München.

 

Sehr geehrter Herr Schamir,
sehr geehrter Herr Dykerhoff,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

zunächst darf ich Ihnen, auch im Namen des Vorstands, zum erfolgreichen Zusammenschluss Ihrer bis dato ei-genständigen Unternehmen gratulieren. Beide waren mir als kompetente Ansprechpartner sehr gut bekannt. Und daher bin ich sehr zuversichtlich, dass sich daran nichts ändern wird, schließlich werden hier Kompetenzen gebündelt.

Sie haben mich gebeten, aus Sicht der Kammer etwas zu den Themen „Zukunft der HOAI“ und „Zahlungsmoral“ zu sagen.

Vor allem hinsichtlich der HOAI hätte ich damit gerne ge-wartet, bis der Herr Staatssekretär mit seine Ausführungen zu diesem Thema gemacht hat.

Denn, das wissen vermutlich die meisten von Ihnen, die Honorare der Ingenieure und Architekten, die in der HOAI gesetzlich geregelt sind, sinken real seit vielen Jahren. In irgendeiner Schublade im Wirtschaftsministerium des Herrn Clement schlummert derzeit ein Referentenentwurf für eine reformierte HOAI.

Ans Tageslicht gekommen ist dieser Entwurf bislang leider noch nicht. Und wir Ingenieure und Architekten fürchten, dass dies im allgemeinen Wahlkampf-Getümmel in Berlin auch in den kommenden Wochen nicht der Fall sein wird. Aber, sehr geehrter Herr Staatssekretär, ich lasse mich da gerne eines Besseren belehren.

Warum, so könnte man fragen, ist eine Honorarordnung überhaupt notwendig? Schließlich könnte sich der Preis für Ingenieur- und Architektenleistungen ja auch auf dem frei-en Markt finden lassen.

Aber: Wollen wir das wirklich?

Wer heute ein T-Shirt zum Schnäppchenpreis kauft, der muss damit rechnen, dass es nur eine Saison lang hält.
Und wer einen Videorekorder zum Schnäppchenpreis er-gattert, der muss damit leben, dass die Technik nach weni-gen Monaten, in der Regel dann, wenn die Garantiezeit abgelaufen ist, ihren Geist aufgibt.

 
Aber ich frage Sie:
Wer will in einem Gebäude wohnen und arbeiten, für das ein Tragwerksplaner zum Schnäppchenpreis die Statik be-rechnet hat?
Wer möchte über eine Brücke fahren, die zum Schnäpp-chenpreis konstruiert wurde? Und die vielleicht so lange hält, bis eben die Garantie abgelaufen ist.
Und wer möchte Wasser trinken, das in einer zum Schnäppchenpreis entwickelten Aufbereitungsanlage ge-reinigt wurde.

Wollen Sie das vielleicht?

Der Unterschied zwischen den Gesetzen des freien Mark-tes und Dienstleistungen im Bauwesen ist, dass der Kunde, also als Bauherr oder Investor, eine geistig-schöpferische Leistung einkauft. Die kann man vorab nicht in die Hand nehmen und testen oder vergleichen. Man muss darauf vertrauen, dass der beauftragte Ingenieur oder Architekt sein ganzes Wissen und Können einsetzt, um die Aufgabe zu lösen. Und diese Lösung stellt in der Regel einen auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittenen Prototypen dar.

Was der Planer dabei zu leisten hat, ist in der HOAI gere-gelt - auf gesetzlicher Grundlage, und das ist auch gut so. Denn die HOAI dient ganz sicher nicht dazu, die Baukosten in die Höhe zu treiben (jede Autowerkstatt stellt für eine Reparatur höhere Stundensätze in Rechnung, als wir erzie-len können!). Die HOAI dient dem Schutz des Verbrau-chers. Weil er sich eben darauf verlassen kann, eine gute, den Regeln der Technik entsprechende Planungsleistung zu bekommen. Gleichzeitig muss die HOAI aber dem Pla-ner ein auskömmliches Honorar zusichern.

Dass die HOAI vereinfacht und neu strukturiert werden muss, steht außer Frage. Die Vorschläge der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten liegen vor. Jetzt ist es seitens der Politik dringend an der Zeit, endlich zu handeln.

[Ganz am Rande möchte ich vielleicht erwähnen, dass ich noch nie gehört habe, dass die BRAGO, also die Gebüh-renordnung der Rechtsanwälte, in Frage gestellt wird. Im Gegenteil, ihnen wurde jüngst eine Gebührenerhöhung ge-nehmigt. Könnte das vielleicht daran liegen, dass in den Parlamenten zwar sehr viele Rechtsanwälte, aber kaum Ingenieure sitzen?]


Und nun noch einige Worte zur Zahlungsmoral.

Leider muss man dabei feststellen, dass das Wort „Moral“ in diesem Zusammenhang oft fehl am Platze ist.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau führt im halbjährli-chen Rhythmus unter ihren Mitgliedern eine Konjunkturum-frage durch. Dabei wird unter anderem gefragt, wie die Mit-glieder die Zahlungsmoral der öffentlichen und der privaten Auftraggeber bewerten.

Lediglich 25 Prozent bewerten die Zahlungsmoral der pri-vaten Auftraggeber als gut oder sehr gut. 45 Prozent halten sie für befriedigend, 20 für schlecht und 10 Prozent für sehr schlecht. Dies sind Zahlen aus dem Frühjahr 2005.

Bei den öffentlichen Auftraggebern (also bei denjenigen, die nicht das selbst erwirtschaftete Geld, sondern Mittel aus Steuergeldern – also letztlich unser aller Geld investie-ren) sieht es keinesfalls besser aus. Im Gegenteil. Hier be-urteilen sogar 25 Prozent die Zahlungsmoral als schlecht und 10 Prozent als sehr schlecht.

Diese Zahlungsmoral hat schon sehr viele Planungsbüros und Bauunternehmen in den Ruin getrieben. Sie wird es weiter tun, wenn wir nicht wieder Mittel und Wege zu einer fairen Partnerschaft am Bau finden.

 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
die Bauwirtschaft befindet sich seit rund einem Jahrzehnt in der Krise. Das größte Problem sind die leeren öffentlichen Kassen. Und so lange wir in Sachen Reformpolitik in Deutschland nicht unsere Hausaufgaben machen, wird sich an dieser Situation nichts ändern.

Allerdings scheint es aus meiner Sicht unverantwortlich, am Unterhalt unserer öffentlichen Gebäude und unserer Infrastruktur sparen zu wollen.

Denn, das ist ein ganz simples Rechenbeispiel, wenn wir heute nicht investieren, müssen unsere Kinder und Enkel in einigen Jahren Gebäude, Straßen, Brücken und Kanalnet-ze komplett neu bauen. Das wird um ein Vielfaches teurer. Es ist aber unverantwortlich, nachfolgende Generationen mit den finanziellen Folgen unseres heutigen Handelns – beziehungsweise Nicht-Handelns – zu belasten.


Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Es gilt das gesprochene Wort


 

 

 

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