9. Dingolfinger Baufachtag 2005 – "Sachverstand in Europa"

Grußwort von Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl, Präsidentin der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, am 11.11.2005 in der Stadthalle Dingolfing.

 

Sehr geehrter Herr Präsident Dipl.-Ing. (FH) Michael Staudt (Präsident Bundesverband BVS),

sehr geehrter Herr Präsident Dipl.-Ing. (FH) Hans R. Czapka (Präsident Landesverband LVS),

meine sehr geehrten Damen und Herren,

 

herzlichen Dank für Ihre Einladung zum 9. Dingolfinger Baufachtag 2005.

Erlauben Sie mir zunächst einige Worte zu unserer Kammer. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ver-tritt die Interessen der im Bauwesen tätigen Ingenieure in Bayern. Wir haben derzeit rund 5300 Mitglieder, Tendenz: Jahr für Jahr steigend.

Dies ist sehr erfreulich, denn wie Sie alle wissen, ist es um das Bauwesen in Deutschland seit einigen Jahren nicht sehr gut bestellt.

Zum einen liegt das daran, dass während des Bau-booms nach der Wiedervereinigung vor allem im bau-ausführenden Bereich Kapazitäten aufgebaut wurden, die heute so schlichtweg nicht mehr benötigt werden.

Zum anderen ist ein wichtiger Grund, dass Bund, Län-der und Kommunen heute in weiten Bereichen ihrer Verpflichtung nicht mehr nachkommen können, in den Erhalt und den zeitgemäßen Ausbau von Gebäuden und Infrastruktur zu investieren.

Die Gründe hierfür sind Ihnen allen bekannt: Schließ-lich werden diese Gründe zur Zeit in Berlin und in den Medien permanent herauf- und herunterdekliniert. Tag für Tag gibt es neue Verlautbarungen, wo gespart wer-den muss und wo der Bürger zur Kasse gebeten wer-den soll. Von „Investitionen“ ist wegen des derart gro-ßen Schuldenbergs, wie er in den vergangenen 20 Jah-ren angehäuft wurde, leider kaum noch die Rede.

Ich möchte mich zu den einzelnen Vorhaben und Kon-zepten, die die Große Koalition plant, hier nicht äußern. Aber ich denke, Sie alle stimmen mir zu, dass wir jetzt dringend diejenigen Reformen brauchen, die aus Deutschland wieder einen wirtschaftlich starken, hand-lungsfähigen Staat machen. Einen Staat, der in sein Vermögen – nämlich die gebaute Infrastruktur – so viel investiert, dass es zumindest nicht permanent an Wert verliert. Und den Politikern in Berlin möchte ich nahe legen, etwas weniger über Personalien und etwas mehr über die Lösung der Probleme in diesem Land nachzu-denken.

Denn die Bauwirtschaft, die wie die Automobilindustrie eine Schrittmacherbranche ist (das bedeutet, wenn es ihr gut geht, zieht sie zahlreiche andere Sparten mit „nach oben“), braucht dringend neue Perspektiven.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau führt unter ih-ren Mitgliedern zweimal pro Jahr eine Konjunkturum-frage durch. Die Ergebnisse der aktuellen Befragung sind erneut alarmierend:

Von den befragten Kammermitgliedern bezeichnet nach wie vor rund ein Viertel die allgemeine Geschäfts-lage ihres Büros als schlecht bis sehr schlecht. Die Auf-tragslage ist bei rund einem Drittel der Büros schlecht bis sehr schlecht. Und 41,2 Prozent der Befragten be-zeichnen ihre Ertragslage allenfalls als „befriedigend“, bei 31,2 Prozent ist sie schlecht und bei 8,4 Prozent der Ingenieurbüros sogar „sehr schlecht“.
Umsätze, Erträge und Auftragsvolumen sind zwar bei knapp zehn Prozent der Ingenieurbüros in den vergan-genen 12 Monaten gestiegen; dennoch glaubt nur rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer, dass dies anhalten wird. Rund ein Drittel rechnet im kommenden halben Jahr mit einem Rückgang der Aufträge.

Das Gewicht der öffentlichen Hand als Auftraggeber nimmt dabei weiter ab. 30 Prozent der Büros melden, dass der Anteil der öffentlichen Aufträge seit Oktober 2004 zurückgegangen ist; 20 Prozent rechnen damit, dass dieser Trend anhalten wird. Ziemlich schlechte Noten gibt es außerdem - nach wie vor - für die Zah-lungsmoral der öffentlichen und privaten Auftraggeber.

Man kann allerdings feststellen, dass es innerhalb der Ingenieurbüros deutliche Unterschiede gibt. Die Inge-nieurkammern der Länder haben gemeinsam mit der Bundesingenieurkammer e.V. im vergangenen Jahr ei-ne Mitgliederbefragung durchgeführt.

Diese hat ergeben, dass diejenigen Büros, die von ei-nem „Beratenden Ingenieur“ geführt werden, wesent-lich besser am Markt positioniert sind.

Demnach liegt der durchschnittliche Netto-Umsatz ei-nes Büros mit Beratendem Ingenieur bei rund 600.000 Euro, der eines Büros ohne BI bei 220.000 Euro.

Das durchschnittliche Bruttoeinkommen eines Beraten-den Ingenieurs ist mit 64.000 Euro deutlich höher als das einen Nicht Beratenden Ingenieurs, das bei 45.000 Euro liegt.

Bei diesem Zahlen ist auch ein deutliches Gefälle zwi-schen West- und Ostdeutschland zu verzeichnen; die neuen Länder erreichen durchschnittlich nur 80 Prozent der Werte in den westdeutschen Büros – sowohl beim Einkommen und beim Nettoumsatz als auch beim Um-satz pro Mitarbeiter.

Verstehen Sie diese Zahlen bitte auch als kleinen Wer-beblock für den Titel „Beratender Ingenieur“. Denn wir werden gelegentlich gefragt, welchen Nutzen dieser Ti-tel denn habe. Hier haben Sie die Antwort schwarz auf weiß. Der Titel „Beratender Ingenieur“ bürgt nicht nur für die Qualität und Leistungsfähigkeit seiner Träger, er bringt auch ganz konkrete wirtschaftliche Vorteile.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Ihre Veranstaltung trägt den Untertitel „Sachverstand in Europa“. Es gibt keinen Zweifel, dass ein großes vereintes Europa für uns zahlreiche Veränderungen bringt. Ich denke aber, dass wir die Chancen sehen und auch ergreifen müssen, die uns diese große Völkergemein-schaft bietet.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau hat seit vielen Jahren Kooperationsverträge mit zahlreichen Kammern und Verbänden, insbesondere in Osteuropa. Durch Ko-operationsbörsen und Informationsveranstaltungen ge-lingt es, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Ingenieure zu fördern und auch Aufträge zu akquirie-ren. Dies geschieht auf eine Art und Weise, dass sich zu keiner Zeit die eine oder andere Seite benachteiligt fühlt. Wir arbeiten – zeitgemäß – auf einer Augenhöhe.

Falls Sie diese Kontakte nutzen möchten, so biete ich Ihnen an, sich jederzeit gerne an unsere Kammer zu wenden. Wir werden sicherlich Mittel und Wege einer Zusammenarbeit in diesem Bereich finden können.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
im kommenden Jahr stehen uns einige Neuerungen ins Haus. Die Bayerische Bauordnung ist derzeit in der Ü-berarbeitung, der Energieausweis wird eingeführt, die neue EnEV 2006 wird in Kraft treten. Wir als Kammer bereiten unsere Mitglieder vor allem über das Weiter-bildungsangebot der Ingenieurakademie Bayern auf diese Entwicklungen vor. Zu einem wahren Renner hat sich dabei unser Lehrgang zum „Energieberater vor Ort (BAFA)“ entwickelt. Die ersten vier Lehrgänge waren und sind restlos ausgebucht.

Der Vorstand unserer Kammer hat beschlossen, eine neue Fachliste „Energieberater vor Ort (BAFA)“ einzu-richten und im Internet unter www.planersuche.de zu veröffentlichen. So haben Bauherren die Möglichkeit, auf einfache Weise einen Ingenieur zu finden, der sie in Sachen Energieeinsparung und Verbrauchsoptimierung kompetent, umfassend und unabhängig berät.

Falls Sie Interesse an der Weiterbildung zum Energie-berater vor Ort oder an einer Eintragung in die neue Fachliste haben, wenden Sie sich bitte direkt an die Kammer.

Abschließend möchte ich mich nochmals herzlich für die Einladung bedanken. Ihrem 9. Dingolfinger Bau-fachtag 2005 wünsche ich einen guten Verlauf.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

 

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