Forum Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden

Rede von Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl, Präsidentin der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, am 17.02.2006 in der Bayerischen Versicherungskammer.

 

Sehr geehrter Herr Staatsminister Dr. Beckstein,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

Sie alle sind bereits den ganzen Vormittag hier anwesend, um sich den immer wichtiger werdenden Themen

Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden
ENEV 2006 und
DIN V 18599
zu widmen.

Begrüßt hat Sie unser Vizepräsident Dieter Rübel bereits heute Morgen. Ich möchte mich dem gerne anschließen und darf Ihnen sagen, dass es mich sehr freut, dass die Ingenieurakademie Bayern auf Initiative und unter der Leitung von Professor Sorge erneut eine so hochkarätige Veranstaltung anbieten kann – die zudem auch noch sehr gut besucht ist.

Dies zeigt uns, wie sehr das Interesse an der neuen EnEV ist. Und dies zeigt auch, dass wir Ingenieurinnen und Ingenieure schon seit langem in den Startlöchern stehen, um die – man muss ja leider noch sagen „vermutlich“ – in der EnEV 2006 enthaltenen Regularien anzuwenden.

Leider hat sich die Umsetzung von EU-Recht in deutsches Recht in diesem Fall als wahre Hängepartie erwiesen, und so sprießen seit Wochen und Monaten Spekulationen ins Kraut, was denn drin stehen wird im bislang wohl gehüteten Referentenentwurf der EnEV 2006.

Lassen Sie mich, auch und gerade weil Sie, sehr geehrter Herr Staatsminister Dr. Beckstein anwesend sind, zwei aus unserer Sicht ganz wesentliche Aspekte anführen.

Wenn die neue Energieeinsparverordnung einen Sinn haben und etwas bewirken soll, dann darf es nur einen bedarfsorientierten Energieausweis geben. Dies ist der einzige Weg, um den Energiebedarf von Gebäuden anhand von objektiven Kriterien vergleichbar zu machen.

Absolut sinnlos ist hingegen ein Orientierung am Verbrauch. Die Immobilienbesitzer benötigen keine Sammlung von Heizkostenabrechungen mit beigefügter Standard-Energiespartipp-Broschüre.
Und etwas anderes, das muss ich hier ganz deutlich sagen, würde ein verbrauchsorientierter Energieausweis nicht darstellen.

Ingenieure sind qua Ausbildung prädestiniert für die Erstellung von Energieausweisen und per Zusatzqualifikation auch für die Durchführung von „Vor-Ort-Beratungen“. Daher bereitet es uns erhebliche Bauchschmerzen, dass in vielen Kommunen und Landkreisen Energieagenturen entstehen und bereits entstanden sind, deren Tätigkeit sich nicht auf die Information zur Nutzung von Energieeinsparpotenzialen beschränkt, sondern die in ganz erheblichem Maße – und in absolut wettbewerbsverzerrender Weise – Beratungen von Immobilienbesitzern vornehmen.

Dies kann und darf aus unserer Sicht nicht sein – und dies nicht nur, weil hier von der öffentlichen Hand in den Wettbewerb im Bereich „Beratungen“ eingegriffen wird. Problematisch ist unserer Ansicht nach auch, dassKommunen und Landkreise nicht selten z.B. über Stadtwerke auch Energielieferanten sind oder zumindest an solchen beteiligt sind.
Eine Objektivität der Beratung durch diese kommunalen Energieagenturen ist unserer Ansicht nach daher keinesfalls garantiert. Den Schaden trägt der nichts-ahnende Bürger.

Sehr geehrter Herr Dr. Beckstein, Ihnen gilt unser herzlicher Dank, dass Sie sich erneut bereit erklärt haben, an diesem Forum teil zu nehmen. Dies zeigt uns, wie wichtig die Bayerische Staatsregierung Energieeinsparung und Energiebedarfsoptimierung nimmt.

Und es zeigt uns außerdem, dass die Ingenieure in Bayern für die Staatsregierung in dieser Angelegenheit ganz offenbar die wichtigen und richtigen Ansprechpartner sind.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

 

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