Ausstellungseröffnung „leicht weit – light structures“

Grußwort
Dipl.-Ing. Univ. Heidi Aschl, Präsidentin der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau
Fachhochschule Coburg am Dienstag, 16.05.2006

Sehr geehrter Herr Professor Schlaich,
sehr geehrter Herr Professor Schafmeister,
sehr geehrter Herr Professor Pötzl,
sehr geehrter Herr Schmal,
sehr geehrte Frau Dr. Bögle,
sehr geehrte Damen und Herren Professoren,
liebe Studierende,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

Leuchttürme – ein Begriff zieht seit einiger Zeit durch die Reden unserer Politiker und damit auch durch die Medien.

Wir brauchen „Leuchttürme“:
• in den benachteiligten Regionen Deutschlands, um wirtschaftlich starke Kerne zu bilden, um die herum Arbeitsplätze entstehen;
• und in den unterschiedlichsten Branchen unserer Wirtschaft, um international unsere Innovationskraft, unsere Kreativität, unsere Leistungsfähigkeit zu untermauern.
Leuchttürme sind herausragende Unternehmen:
Leuchttürme sind herausragende Projekte;
Leuchttürme können aber auch herausragende Persönlichkeiten sein, die den jungen Menschen in unserer Gesellschaft Orientierung geben, die als Vorbilder dienen, denen nachzueifern sich lohnt.

Der Berufsstand der Bauingenieure braucht diese Leuchttürme – vor allem in einer Zeit, in der in Deutschland immer weniger gebaut wird und in der die Hochschulen, die den beruflichen Nachwuchs ausbilden, finanziell nun wahrlich nicht rosig ausgestattet sind.

Wir brauchen die gebauten „Leuchttürme“ – Projekte, die zeigen, wie mit großer Innovationskraft Neues entstehen kann.

Der Berufsstand der Ingenieure im Bauwesen hat, ich gebe dies offen zu, mit einem Image – besser gesagt mit einem Nicht-Image – zu kämpfen. Architekten verstehen es auf wunderbare Art und Weise, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das ist ja oft auch nicht so schwer, denn über gestalterische Aspekte eines Bauwerks berichten die Medien sehr gerne. Schöne Bilder, kontroverse Diskussionen über optische Belange – dafür ist jede Zeitung zu haben.

Das Wirken der Ingenieure spielt sich hingegen meist etwas mehr im Verborgenen ab. Statische Berechnungen, Strukturkonzepte, Energieplanungen, Anlagenbau zur Ver- und Entsorgung – das ist das täglich Brot der Ingenieure im Bauwesen. Das sind Dinge, die als „funktionierend“ vorausgesetzt werden, deren Realisierung aber hohe Anforderungen an den Planer stellt.

Die beste Werbung für den Berufsstand der Ingenieure sind beeindruckende realisierte Projekte.

Und damit sind wir bei einem Kernproblem in Deutschland. Denn hierzulande wird – vor allem von der öffentlichen Hand – immer weniger gebaut. Ingenieurtechnische Leuchttürme, wie sie bei uns beim Wiederaufbau der Infrastruktur nach dem Krieg oder beispielsweise mit dem Münchner Olympiagelände entstanden sind, werden immer seltener.

Zugegeben, die Fußball-Weltmeisterschaft hat die Möglichkeit geschaffen zu zeigen, dass wir teils ganz hervorragende Stadien planen und bauen können. Eigenartig allerdings auch hier wieder, dass die Namen der beteiligten Architekten jeder kennt, die der Ingenieure jedoch nur die wenigsten.

Wir brauchen aber auch persönliche „Leuchttürme“.
Vorbilder, die mit Ihrem Schaffen junge Menschen für den Beruf des Ingenieurs im Bauwesen begeistern. Denn die Fakten sind alarmierend.

Seit vielen Jahren sind die Zahlen der Studienanfänger in den Fachrichtungen Bauingenieur- und Vermessungswesen rückläufig. Und schon heute ist abzusehen, dass wir in wenigen Jahren zu wenige gut ausgebildete Ingenieure haben werden, um das heute noch anerkannt hohe Niveau bei Planen und Bauen in Deutschland aufrecht zu erhalten.

Nicht verschweigen möchte ich außerdem meine großen Bedenken hinsichtlich der Umstellung auf die Bachelor- und Master-Studiengänge. Auch da sehe ich Qualitätsprobleme auf uns zukommen.

Es ist mir bis heute nicht wirklich ersichtlich, warum wir in vorauseilendem Gehorsam möglichst schnell auf ein angelsächsisch geprägtes Studienmodell umstellen mussten – und dabei meiner Ansicht nach den großen Fehler machen, ein etabliertes und weltweit anerkanntes Ausbildungskonzept über Bord zu werfen.

Denn die Intension der Politik dürfte doch inzwischen wohl jedem klar sein: Mit der Umsetzung des Bologna-Beschlusses wird versucht, die Kosten im Hochschulbereich zu reduzieren. Andere Effekte sind für mich nicht erkennbar. Wir opfern dafür den „Diplom-Ingenieur“ – für mich unbegreiflich.

Doch zurück zum Thema des heutigen Abends.
Sie, sehr geehrter Herr Professor Schlaich, sind ein Vorbild für zahlreiche Ingenieurinnen und Ingenieure und für viele Studierende. Die Projekte, die Sie gemeinsam mit Ihrem Partner Rudolf Bergermann sowie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entworfen und gebaut haben, sind „Leuchttürme“ des Bauingenieurwesens.

Ihre Visionen regen zum Nachdenken über weit mehr als die reine Bauaufgabe eines Projekts an – sie liefern Visionen, Ideen, Konzepte – ich sage das ganz ohne Pathos: für eine bessere Welt.

Deshalb freue ich mich, dass es der Fachhochschule Coburg gelungen ist,  diese Ausstellung in den kommenden Wochen zeigen zu können.

Mein Dank gilt all denjenigen, die sich dafür eingesetzt haben, dass sich das Bauingenieurwesen in einer solch ansprechenden und hoch interessanten Schau zeigen kann.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

 

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