Verleihung der Ehrenmedaille der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau an Dr. Günther Beckstein

Dr.-Ing. Heinrich Schroeter
Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau
Laudatio
Verleihung der Ehrenmedaille
14.09.2007, Bayerisches Staatsministerium des Innern

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Schmid, herzlichen Dank für die Begrüßung.

 

Sehr geehrter Herr Staatsminister Dr. Beckstein,

sehr geehrte Frau Beckstein,

sehr geehrte Damen und Herren,

sehr herzlich heiße ich Sie alle willkommen zu unserem heutigen Festakt.

 

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau zeichnet mit ihrer Ehrenmedaille Persönlichkeiten aus, die sich um das Bauwesen und den Berufsstand der Ingenieure in Bayern verdient gemacht haben.

 


Dass wir heute zu dieser Ehrung im Bayerischen Staatsministerium des Inneren zu Gast sein dürfen, hat seinen Grund in der ganz besonderen Beziehung, in der unsere Kammer zu dem für sie zuständigen Minister steht.

 

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau existiert seit 16 Jahren. Während dieser Zeit war Dr. Beckstein – als Abgeordneter und als Minister – für alle Kammerpräsidenten ein Ansprechpartner, auf den stets Verlass war und ist.

 

In der kurzen Zeit, in der ich als amtierender Präsident der Kammer Kontakt zu Dr. Beckstein hatte, habe ich den Eindruck gewonnen:

Es ist jederzeit möglich, mit unserem Minister offen über alles zu reden – auch, kontrovers zu diskutieren. Und dieser Eindruck wurde mir auch von meinen Vorgängern im Amt bestätigt. Zu den legendären Kaffeerunden, zu denen der Minister den Kaffee und Professor Kling den Kuchen – für das ganze Minister- und Staatssekretärsbüro – beisteuerte, haben wir es zwar noch nicht gebracht. Aber das kann ja noch werden.

 

Bei allen Gesprächen waren Dr. Beckstein die Anliegen der freiberuflich tätigen Ingenieure stets ebenso nahe wie die der angestellten, der beamteten und der gewerblich tätigen Ingenieure. Die von uns Ingenieuren gewünschte Große Kammer wurde von ihm bereits als Abgeordneter bei der Einbringung des Gesetzes zur Errichtung unserer Kammer massiv unterstützt.

 

Als oberster Dienstherr der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern hatte Dr. Beckstein über viele Jahre die Verantwortung inne für die Baukultur und für das staatliche Bauen  in Bayern. Um diese wichtige Institution – von ihrem Leiter, Herrn Ministerialdirektor Dipl.-Ing. Josef Poxleitner, stets und zu Recht als „Kompetenzzentrum des Bauens in Bayern“ bezeichnet – werden wir außerhalb des Freistaats oft beneidet.

 

Wir freiberuflich tätigen Ingenieure sind froh, dass uns - auch nach der Verwaltungsreform - in der Bayerischen Staatsbauverwaltung stets fachlich kompetente Ansprechpartner zur Seite stehen.

 

Und schließlich, sehr geehrter Herr Staatsminister, ist es ja ein offenes Geheimnis, dass Sie sich ab Oktober vor allem deshalb einer neuen Aufgabe widmen möchten, weil Ihr neuer Amtssitz dann räumlich ein klein wenig näher an „Ihrer“ Obersten Baubehörde liegt.

 

Bei allen Gesetzesvorhaben und Vorschriften, die in dem von Dr. Beckstein geführten Ministerium federführend erarbeitet wurden, sind die Meinungen der Betroffenen – und in unserem Fall eben die der Ingenieure – stets ernst genommen worden. Es ist für uns gut zu wissen, dass unser Minister stets offen ist für Anregungen und Visionen, die auch „über den Tag hinaus“ ihre Wirkung entfalten können. Hoch angerechnet wurde Dr. Beckstein dabei von meinen Vorgängern, Professor Karl Kling, Frau Heidi Aschl und jetzt auch von mir, dass es nie eine Argumentation „von oben herab“ gab, dass wir stets die Fürsorge des Ministers für die von ihm „Regierten“ spüren durften.

 


Aus der guten Zusammenarbeit zwischen dem Herrn Staatsminister Dr. Beckstein und unserer Kammer haben sich wegweisende Vorhaben entwickelt. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle die Musterbauordnung, mit der – unter seiner Federführung in der Bauministerkonferenz – ein Regelwerk geschaffen wurde, das der bundesweiten Vereinheitlichung von Vorschriften dienen kann.

 

„Kann“ sage ich deshalb, weil leider einige Bundesländer und Stadtstaaten bei der Novellierung der Bauordnungen dann doch lieber wieder ihr eigenes Süppchen kochen.

 

Um unseren Berufsstand wettbewerbsfähig zu halten, und zwar wettbewerbsfähig im eigenen Land, brauchen wir aber dringender denn je eine Vereinheitlichung von Normen, Regeln und Vorschriften in ganz Deutschland. Wir können uns nicht den globalen Herausforderungen stellen und gleichzeitig unseren heimischen Markt durch unterschiedliche Regelungen der Bundesländer zersplittern.


Aber wir Ingenieure denken immer in die Zukunft. Deshalb geben wir die Hoffnung und die politische Erwartung nicht auf, dass wir das Ziel einheitlicher Regeln in Deutschland doch noch erreichen werden.

 

In naher Zukunft, da sind wir uns sicher, haben wir mit Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Beckstein, einen Fürsprecher, der sich aus seinem neuen Amt heraus weiter für diese Sache einsetzen wird – mit dem ganzen politischen Gewicht eines bayerischen Ministerpräsidenten.

 

Bei einem weiteren wichtigen Projekt für unseren Berufsstand durften wir stets auf eine nachdrückliche Unterstützung unseres Ministers zählen. Die Einrichtung eines Versorgungswerks, das unsere Kammermitglieder für die Wechselfälle des Lebens absichert, wurde von ihm stets wohlwollend und aktiv unterstützend begleitet. Auch, wenn es sein musste, gegen die Bundesregierung und einen Minister Blüm.

 


Durch Staatsverträge – die nur durch seine Position in der Bayerischen Staatsregierung möglich waren – ist es gelungen, die Bayerische Ingenieurversorgung-Bau zu einem verlässlichen und starken Partner für die Ingenieure in Bayern, Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Thüringen zu entwickeln.

 

Die Anwesenheit von Kolleginnen und Kollegen aus diesen Bundesländern beim heutigen Festakt zeigt Ihnen, sehr geehrter Herr Staatsminister, dass die Ingenieure Ihnen bundesweit für Ihr Engagement dankbar sind.

 

Ein Vorhaben, das uns Ingenieure und auch die Architekten seit vielen Jahren beschäftigt, ist die Novellierung unserer Honorarordnung. Bereits Anfang der 90er Jahre wurde die Bundesregierung vom Bundesrat beauftragt, die HOAI zu novellieren und zu modernisieren. Geschehen ist bis heute de facto wenig. Dem Wirtschaftsminister der vorherigen Bundesregierung, Wolfgang Clement, und seinem Staatssekretär Rezzo Schlauch war es ein Anliegen, die HOAI komplett abzuschaffen. Dies ist ihnen nicht gelungen – ein erster Sieg der Vernunft. Doch leider ist die Novelle mittlerweile zwischen den Mühlsteinen von Bundeswirtschaftsministerium und Bundesbauministerium stecken geblieben. Es geht nichts voran, und das bedroht zahlreiche, vor allem kleinere und mittlere Ingenieur- und Architekturbüros in ihrer Existenz.

Umso wichtiger war das frühe und konsequente Bekenntnis von Staatsminister Dr. Beckstein zum Erhalt der HOAI auf gesetzlicher Basis. Diese Äußerung der Bayerischen Staatsregierung war und ist ein Pfund, mit dem wir in der Debatte wuchern können.

Wir wissen: Die HOAI ist bei Dr. Beckstein in guten Händen, gleich ob als Minister, als Ministerpräsident oder im Bundesrat.

 

Unser Minister, erlauben Sie mir dieses besitzanzeigende Fürwort, hat sich wahrhaft um den Berufsstand der im Bauwesen tätigen Ingenieure verdient gemacht. Für uns ist dies Anlass, im wahrsten Sinne des Wortes „mit Pauken und Trompeten“ zu feiern.


Erlauben Sie mir daher an dieser Stelle, meine sehr geehrten Damen und Herren, dem Bläserensemble der „Berufsschule der Musik des Bezirks Schwaben“ unter der Leitung von Berthold Leicht für die musikalische Gestaltung dieser Feierstunde zu danken.

 

Sehr geehrter Herr Staatsminister, nun, da Sie in Kürze das Amt des Innenministers niederlegen werden um sich „schwierigeren“ Aufgaben zuzuwenden, ist wohl der richtige Zeitpunkt gekommen, Ihnen für das, was Sie für uns Ingenieure geleistet haben, zu danken.

 

Aus diesem Grund hat der Vorstand der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau beschlossen, Sie mit der höchsten Auszeichnung unserer Kammer, der Ehrenmedaille, auszuzeichnen.

Ich darf nun Sie, sehr geehrter Herr Dr. Beckstein, zu mir bitten.

 

Außerdem bitte ich meine Vorgänger im Amt, Herrn Professor Dr.-Ing. eh. Karl Kling und Frau Dipl.-Ing. Heidi Aschl, zu mir nach vorne zu kommen, da wir die Auszeichnung gemeinsam vornehmen werden.

 

 

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