Rede von Dr.-Ing. Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau am 29.09.2011 beim IGVB

Begrüßungsrede des Präsidenten der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, Dr.-Ing. Heinrich Schroeter, anlässlich der Informationsveranstaltung des Ingenieurverband Geoinformation und Vermessung Bayern e.V. am 29.09.2011 im Rahmen der Messe INTERGEO in Nürnberg.

- Es gilt das gesprochene Wort -


Sehr geehrter Herr Präsident Fernkorn (Präsident des Ingenieurverband Geoinformation und Vermessung Bayern e.V.) ,
sehr geehrter Herr Karner, (1. Vorsitzender Landesverband Bayern des VBI),
sehr geehrter Herr Pöhlmann (Landesvorsitzender des Verbands Deutscher Vermessungsingenieure VDV),
sehr geehrter Herr Zurhorst (Präsident des Bundes der Öffentlich bestellten Vermessungsingenieure BDVI),

als Vertreter der tragenden Verbände dieser Veranstaltung möchte ich mich bei Ihnen und Ihren Mitgliedern herzlich für die Einladung bedanken.

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
die Bayerische Ingenieurekammer-Bau vereinigt alle im Bauwesen tätigen Ingenieure unter ihrem gemeinsamen Dach, also nicht nur die Bauingenieure, sondern auch die Vermessungsingenieure.
Deswegen freue ich mich ganz besonders, dass ich heute bei Ihnen zu Gast sein darf. Denn Sie sind unter anderem dafür verantwortlich, dass auch am richtigen Ort gebaut wird. Sie sorgen dafür, dass unsere Bauwerke wie geplant in Bezug auf Grundstückgrenzen oder Fahrbahnachsen errichtet werden.
Massenermittlungen, Bauachsen und -höhen, Setzungsmessungen während der Baumaßnahmen, baubegleitende Kontrollmessungen, all diese Aufgaben gehören zum Bauen komplexer Bauwerke wie Gebäude, Straßen, Brücken und Tunnel.

Kurz gesagt: Ohne exakte Vermessung, also ohne Ihre wertvolle Arbeit, ist Bauen unmöglich.

Damit ist Ihre wichtige Rolle, liebe Kolleginnen und Kollegen des Faches Geoinformation und Vermessung, wohl zutreffend beschrieben. Schon der Name Ihres Verbandes zeigt, dass Ihr Fachgebiet heute weit über die klassische Tätigkeit des Landvermessers hinausgeht. Das sieht man auch daran, dass z.B. das Landesvermessungsamt Bayern inzwischen Landesamt für Vermessung und Geoinformation heißt.

Der Begriff Geoinformation beschreibt, welchen hohen Stellenwert die Weiterverarbeitung und die Weitervermittlung der Ergebnisse der eigentlichen Vermessungsarbeit heute hat. Geoinformationssysteme werden zunehmend genutzt. Ihre Daten werden von Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft benötigt und verwendet - sie sind Grundlage des planerischen Handelns.
Hier werden nicht nur die topographischen Daten dargestellt, sondern mit weiteren Daten, die vom Flächennutzungsplan bis zu Biotopkartierungen gehen können, verknüpft. Den Anwendungsgebieten sind keine Grenzen gesetzt, ständig werden neue Möglichkeiten entwickelt. Geoinformation und Vermessung sind im besten Sinne interdisziplinär arbeitende Ingenieurwissenschaften.

Aber auch die Werkzeuge zur Erfassung der Objekte, also der eigentlichen Vermessung, haben in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung genommen.

In meinem Studium habe ich gelernt, mit den klassischen Methoden, also Maßband, Nivelliergerät, Theodolit und Tachymeter eine Geländeaufnahme eines kleinen Stücks der Emmeringer Leite zu erstellen. Heutige Methoden wie Airborne Laserscanning oder Mobile Mapping Systeme konnten wir uns gar nicht vorstellen.

Und welche Möglichkeiten das Laserscanning dem Tragwerksplaner in der Denkmalpflege beim Monitoring von Bauwerksverformungen bietet, spricht sich gerade so allmählich in Fachkreisen herum. Von den zukünftigen Entwicklungen im Bereich Geoinformation und Vermessung, zum Beispiel bei der digitalen 3D-Baugrundmodellierung von Infrastrukturbaumaßnahmen, mal gar nicht zu reden.
So ist Ihr Beruf ein Beruf in ständiger, vielleicht sogar stürmischer Entwicklung, aber immer verbunden mit den Wurzeln der klassischen Landesvermessung.

Und diese Wurzeln werden seit Beginn der Landesvermessung am Anfang des 19., also des vorletzten Jahrhunderts, von der Bayerischen Vermessungsverwaltung gehegt und gepflegt.

Das Stichwort Verwaltung bringt mich zu einer weiteren Besonderheit der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau:
Nicht nur die Freiberufler sind Mitglieder unserer Kammer, sondern auch angestellte und beamtete Ingenieure können Mitglied werden. Und offenbar ist unsere Kammer auch für diese Berufsgruppen attraktiv, denn wie sonst könnten wir stolz auf beinah 6.000 Mitglieder sein? Die einzigen sogenannten Pflichtmitglieder sind die Beratenden Ingenieure. Aber auch diese Mitgliedschaft ist im Grunde freiwillig. Denn wer als Freiberufler keinen Wert auf diese Bezeichnung legt, muss nicht Mitglied werden.

Gerade deswegen bin ich als Präsident dieser Kammer erfreut darüber, dass auch viele Beamte aktiv in der Kammer mitarbeiten. Zum Beispiel ist der 1. Vizepräsident der Kammer in seinem Berufsleben der Präsident der Autobahndirektion Nordbayern. Und auch unter den Beamten der bayerischen Vermessungsverwaltung gibt es Kammermitglieder. Nicht zuletzt der Leiter der Vermessungsabteilung im Finanzministerium, Herr Ministerialdirigent Dr. Rainer Bauer.

Und damit bin ich schon beim Thema der heutigen Veranstaltung: die Berufsverbände Ihres Fachgebietes fordern die Öffnung der hoheitlichen Katastervermessung für den Freien Beruf, sie fordern die Institution des Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs auch für unser Bundesland.
Bayern ist das einzige Bundesland, in dem die hoheitliche Katastervermessung in klassischer Weise noch allein in den Händen der staatlichen Verwaltung liegt. In den anderen 15 Bundesländern gibt es die Institution des Öffentlich bestellten Vermessungsingenieurs, der als beliehener Unternehmer wie auch zum Beispiel in der Tragwerksplanung der Prüfingenieur, hoheitliche Aufgaben des Staates übernimmt.

Die Berufsverbände sehen die Vorteile einer solchen Öffnung. Über kostensparende Synergieeffekte, mehr Leistungswettbewerb, direkte Nähe zum Bürger und viele weitere Argumente wird heute noch ausführlich geredet werden. Dass ich persönlich als Freiberufler und bis zur Altersgrenze als ein solcher beliehener Unternehmer, nämlich als Prüfingenieur, dieses Verlangen der Berufsverbände durchaus für sinnvoll und unterstützenswert halte, ist wohl verständlich.

Als Große Kammer vertreten wir nun aber die Freiberufler und die Beamten gleichermaßen.
Und die Beamten der Vermessungsverwaltung sehen den Öffentlich bestellten Vermessungsingenieur nicht so positiv wie die Freiberufler.

Da gibt es zum Beispiel Bedenken hinsichtlich der künftigen Verteilung der Tätigkeit auf die Ballungszentren und auf dem flachen Land.
Wahrscheinlich spielen auch verwaltungsinterne Bedenken eine Rolle, nämlich die Sorge, dass der Personalbestand der Verwaltung erheblich sinken würde.
Und vielleicht ist auch die Tradition der Landesvermessung seit der Zeit des Grafen Montgelas in Bayern lebendiger als in den anderen Bundesländern. Denn auch der Erhalt einer traditionsreichen Institution wie der Feldgeschworenen liegt der Verwaltung am Herzen.

Alle diese Bedenken, die bisher die Einführung des ÖbVI in Bayern verhindert haben, muss der Präsident einer Kammer ernst nehmen, in der beide Gruppen des Berufsstandes, Freiberufler wie Beamte, als Mitglieder eine Heimat haben.

Berufsverbände wie der IGVB, der VDV und der VBI können und müssen vor allem die Interessen und die Weiterentwicklung ihrer Berufsgruppe im Auge haben und ihre Aufgabe ist es natürlich auch, zum Vorteil ihrer Mitglieder zu wirken.

Der Kammer kommt hier also eher die Rolle des Moderators zu. Sie muss bei unterschiedlichen Interessenlagen von Mitgliedsgruppen vermitteln, Gespräche ermöglichen und vielleicht sogar Kompromisse aufzeigen oder sich mit den Beteiligten an einen Tisch setzen.
Und dazu sind der Vorstand der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, und allen voran ich persönlich als Präsident der Kammer, jederzeit gerne bereit.

Ich sichere Ihnen hier und jetzt, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine volle Unterstützung zu, um hier eine konstruktive Lösung zu finden und wünsche Ihnen eine interessante und informative Veranstaltung.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Dr.-Ing-Heinrich Schroeter
Präsident
Bayerische Ingenieurekammer-Bau

 

 

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