Grußwort Dr.-Ing. Heinrich Schroeter: Ausstellungseröffnung Ideenwettbewerb "Entwurf einer Straßenbrücke nach ganzheitlichen Wertungskriterien"

Grußwort von Dr.-Ing. Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, anlässlich der Ausstellungseröffnung Ideenwettbewerb "Entwurf einer Straßenbrücke nach ganzheitlichen Wertungskriterien"
24.01.2012
Rathausfoyer der Stadt Landshut

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Rampf,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ich freue mich sehr, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind und die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs „Straßenbrücke – Entwurf nach ganzheitlichen Kriterien“ heute gemeinsam mit uns würdigen möchten.

Das Planen und Bauen von Brücken ist seit jeher eine ebenso wichtige wie anspruchsvolle Aufgabe. Im alten Rom war es sogar ein priesterliches Amt. Pontifex bedeutet Brückenbauer. Also ist der Papst mit dem Titel Pontifex Maximus der Oberste der Brückenbauer.

Brücken schaffen Verbindungen zwischen Orten und Menschen und sind aus unserem Leben nicht wegzudenken. Neben der Funktionalität, der baulichen Qualität und der idealen Statik müssen die Ingenieurinnen und Ingenieure immer stärker auch den gestiegenen ästhetischen Ansprüchen gerecht werden. Darüber hinaus rücken in der heutigen Zeit zu Recht auch immer mehr ganzheitliche Kriterien in den Blickpunkt. Was bedeutet das Modewort „ganzheitlich“? Damit ist gemeint, dass  nicht nur die Kriterien Wirtschaftlichkeit und Funktionalität sondern auch Ressourcenverbrauch, Umweltverträglichkeit, Dauerhaftigkeit in Bau und Betrieb beachtet werden.

Wir alle wissen, dass sich unsere Umwelt durch das Verhalten der Menschen verändert hat und weiter verändern wird. Die bayerische Energiewende ist nicht nur beschlossene Sache, sondern ein unbedingtes Muss. Nachhaltigkeit ist eine der zentralen Herausforderungen der Zukunft, der sich alle stellen müssen. Den am Bau tätigen Ingenieurinnen und Ingenieuren kommt hier eine Schlüsselrolle zu. Denn durch ihr Fachwissen können sie einen besonders großen und wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende und somit zum Wohle aller Menschen leisten. Und so ist es nur logisch und folgerichtig, dass bei der Ausschreibung dieses Ideenwettbewerbs ganzheitliche Kriterien zentraler Maßstab bei der Bewertung waren.

Mit der Auslobung des Ideenwettbewerbs „Entwurf einer Straßenbrücke nach ganzheitlichen Kriterien“ wollten wir dazu beitragen, den Gedanken der Ganzheitlichkeit und Nachhaltigkeit weiter in den Köpfen der Menschen zu verankern und Anregungen für die zukünftige Entwicklung der Planungsgrundsätze im Brückenbau geben. Ich denke, es ist uns gelungen, die Verbindung des Dreiecks Mensch-Technik-Umwelt und seine Bedeutung zu kommunizieren und konkrete Lösungsansätze in diesem Spannungsfeld zu präsentieren.

Für die am Bau tätigen Ingenieure haben ganzheitliches Planen und Bauen indes Tradition: Im vergangenen Jahr haben wir die Fleischbrücke in Nürnberg mit dem Titel »Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland« ausgezeichnet. Das 1598 fertiggestellte Bauwerk gilt als bedeutendste Steinbogenbrücke der Spätrenaissance in Deutschland und belegt eindrucksvoll den hohen Stand der Ingenieurbaukunst, den die Ingenieure im Bauwesen mit großer Kompetenz, Verantwortung und Innovationskraft garantieren – damals wie heute.

So hätte auch die Fleischbrücke den Ideenwettbewerb als herausragendes Beispiel gewinnen können, denn seit 400 Jahren trotzt sie der Zeit, Naturgewalten und kriegerischen Auseinandersetzungen. Vor 400 Jahren war die Ganzheitlichkeit zwingend. Man hat ganz selbstverständlich minimalen Ressourcenverbrauch, Dauerhaftigkeit und Gestaltung vereint. Anderes hätte man sich gar nicht leisten können. Heute müssen wir das wieder lernen. Lassen Sie uns gemeinsam diese Verantwortung schultern. Mit der Mitarbeit an diesem Ideenwettbewerb haben alle Beteiligten bereits ein wichtiges Zeichen im Sinne der nachhaltigen Entwicklung Bayerns gesetzt.

Beim Bau der Fleischbrücke war das Zusammenspiel von Politikern, Ingenieuren und Handwerkern maßgeblich. Das gemeinsame Bemühen führte zu einer Lösung, die wir nach so langer Zeit noch immer bestaunen und würdigen können. Gemeinsam sind wir stark – dieses Motto gilt auch heute noch. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau steht daher den Behörden vor Ort jederzeit gerne als kompetenter Partner zur Verfügung, um gemeinsam Ideen und Lösungen zu entwickeln. Gerne wollen wir unseren Beitrag leisten, um die gesetzten Ziele im Rahmen der Energiewende zu erreichen und die damit verbundenen Herausforderungen zu bewältigen. Nur wenn alle zusammenarbeiten, wenn jeder seine Kompetenz und sein Spezialwissen einbringt, können die bestmöglichen Ergebnisse erzielt werden. Und das ist schließlich im Interesse aller.

In Niederbayern zählt die Bayerische Ingenieurekammer-Bau derzeit 527 Mitglieder und ist damit in der Region gut verankert. Wir hoffen, dass diese Entwicklung anhält und werden unsererseits das dafür Notwendige tun.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Interesse und darf nun das Wort an meinen Vorstandskollegen Dr.-Ing. Werner Weigl übergeben. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der späteren Besichtigung der Ausstellung und freue mich auf gute Gespräche im Anschluss.

 

 

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