Zusammenarbeit von Gerichten, Anwaltschaft, Sachverständigen - (k)ein Problem?

Grußwort von Dipl.-Ing. (FH) Alexander Lyssoudis
Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau
Fortbildungsveranstaltung LVS Bayern
30.03.2012
IHK-Akademie München, Forum, Orleansstr. 10-12, 81669 München

[es gilt das gesprochene Wort]


Sehr geehrte Frau Dr. Ortlepp,
sehr geehrter Herr Dörr,
sehr geehrter Herr Mützel,
sehr geehrten Damen und Herren,

auch von meiner Seite aus ein herzliches Willkommen Ihnen allen! Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau, die ich heute hier vertrete, ist auch dieses Mal wieder Mitveranstalter der „Münchner Gespräche“. Eine gemeinsame Fortbildungsveranstaltung für Bauingenieure, Architekten, Rechtsanwälte, Richter und Sachverständige ist wichtig und sinnvoll, denn im Arbeitsalltag haben diese Berufsgruppen oft genug mit einander zu tun.

Gerade deswegen sind uns der gemeinsame Austausch und die interdisziplinäre Zusammenarbeit von den ersten Planungsüberlegungen bis zum Nutzungsende so wichtig. Umfassende Kenntnisse aller funktionalen, rechtlichen, technischen und gestalterischen Zusammenhänge sind die Grundlage für ein zukunftsfähiges Planen und Bauen. Besonders wenn es darum geht, komplexe Planungs- und Bauprozesse bei Baumaßnahmen zu entwickeln und umzusetzen.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau befasst sich schon seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Baurecht und Sachverständigenwesen. Es gibt hierzu in unserer Kammer einen eigenen Ausschuss, für den ich als Vorstandsbeauftragter verantwortlich bin. Eine wichtige Leistung des Ausschusses war u.a. die Erstellung der Broschüre „Außergerichtliche Streitbeilegung“ und einer Veranstaltung zum Thema „Partnerschaftliche Streitbeilegung“. Darin zeigen wir auf, welche Wege Gerichte, Anwälte und Sachverständige wählen können, um möglichst gut und effizient Streitfälle zu klären. Zusätzlich können Kammermitglieder sich auch an unseren Schlichtungsausschuss wenden oder Rat beim Justiziariat einholen.

Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit anderen Kammern, Verbänden, Unternehmen und Privatpersonen ist von jeher ein wichtiges Ziel der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. So blicken wir beispielsweise auf eine stets gute Zusammenarbeit mit der IHK als Bestellungsbehörde für öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige in den vergangenen Jahren zurück. Die aus jahrelanger Administration der Sachverständigenkompetenz heraus erwachsene Erfahrung der IHK trägt einen wichtigen Beitrag dazu bei, dass sich die Gerichte, wie auch der freie Markt diesen Kompetenzen direkt bedienen kann, und die Fragen im Rahmen eines prozessualen, wie auch außergerichtlichen Verlaufs von Auseinandersetzungen durch kompetente Sachverständige beantwortet werden. An einer solchen Administration der Sachverständigenkompetenz durch die IHK wird auch der Vorstand der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau zukünftig festhalten.

Unsere Mitglieder, die bayerischen Ingenieure im Bauwesen, stehen für ein qualitätsbewusstes, sicheres und verantwortungsvolles Planen und Bauen. Wir tragen Verantwortung für 

Wegen der Vielzahl der miteinander verflochtenen Vorgänge und der großen Anzahl der Baubeteiligten ist es bei der Durchführung von Baumaßnahmen aber natürlich nicht möglich, Konflikte grundsätzlich zu vermeiden. In Deutschland sind jährlich etwa 70.000 Gerichtsverfahren in Bau- und Architektenangelegenheiten anhängig. Und laut einer Umfrage des Deutschen Baugerichtstags herrscht große Unzufriedenheit mit dem Verlauf von Gerichtsverfahren. Die verschiedenen Instrumente zur außergerichtlichen Streitbeilegung können da ein probates Mittel sein, Konflikte anderweitig zu regulieren.


Scheitern diese Verfahren oder werden erst gar nicht angewandt, dann sind wir gleich beim einem der heutigen Themen, nämlich der der Streitverkündung und dem selbstständigen Beweisverfahren.
Die heutige Veranstaltung teilt sich daher auch in dieses Sachverständigenthema und einen technischen Teil. Im technischen Teil wird uns dann die „Dauerhaftigkeit und Gebrauchstauglichkeit von Bauwerken“ beschäftigen.

Wie Sie wissen beschreibt der Begriff der Gebrauchstauglichkeit die Eigenschaft eines Bauwerks, die uneingeschränkte Nutzung für den vorgesehenen Zweck zu gewährleisten. Man kann es auch einfacher formulieren:

Sind einer oder mehrere dieser genannten Punkte nicht erfüllt, so ist die Gebrauchstauglichkeit nicht oder nicht mehr gegeben.


Zusammen mit den Eigenschaften Sicherheit, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit bildet die Gebrauchstauglichkeit die grundlegenden Säulen des konstruktiven Ingenieurbaus. Die Anforderungskriterien werden in bauaufsichtlich eingeführten Regelwerken, wie etwa in Normen und speziellen Zulassungen, festgelegt. Dauerhaftigkeit meint die Anforderung an das Tragwerk bzw. einzelne Bauteile, um über den geplanten Nutzungszeitraum die Tragfähigkeit und die Gebrauchseigenschaften sicherzustellen.


Wir sind gespannt, zu diesen Punkten Ihre Auffassungen und Erfahrungen zu hören. Deswegen werden wir auch nach den Fachvorträgen in die Diskussion gehen und bitten Sie schon jetzt herzlich, sich zu Wort zu melden und mit uns die Standpunkte zu erörtern. Ich bin gespannt auf die nun folgenden Vorträge. Ich bedanke mich für Ihr Interesse und wünsche Ihnen eine interessante Veranstaltung, sowie gute Gespräche im Anschluss.


 

 

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