85. Geburtstag von Prof. Dr.-Ing. Herbert Kupfer

Grußwort von Dr.-Ing. Heinrich Schroeter
Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau
Technische Universität München, Lehrstuhl Massivbau
30.03.2012

[es gilt das gesprochene Wort]

Sehr geehrter Herr Prof. Kupfer,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

im November 1967 haben Sie mir in Ihrer Vorlesung Baukonstruktion einen ersten Eindruck über die Weite und Größe des Berufs eines Bauingenieurs vermittelt. Im Unterschied zu meinen Kommilitonen, die sich aktiv für diesen Beruf entschieden hatten, war ich fremdbestimmt zu diesem Studium gekommen. Eigentlich hätte ich lieber Mathematik oder gar das brandneue Fach Informatik studiert. Aber mein damaliger Arbeitgeber, die Bundeswehr, hatte entschieden: Informatik gibt es nur für Fernmelder. Ich war Pionier, also schickte mich die Bundeswehr zum Studium des Bauingenieurwesens an der TH München. Im Grundstudium gab es Mathematik, Mechanik, Physik, Chemie, Geometrie und solche theoretischen Fächer.

Nur Ihre Vorlesung, Herr Professor Kupfer, hatte etwas mit dem Beruf zu tun, den ich auf Beschluss meiner Vorgesetzten erlernen sollte. Und Sie haben es locker erreicht, meine anfängliche Skepsis zu überwinden und in eine echte Begeisterung für diesen Beruf zu verwandeln. Dass ich am Ende des Studiums mich gegen die Bundeswehr, aber für den Bauingenieurberuf entschieden habe, liegt auch an Ihnen. Und dafür danke ich Ihnen. Ohne Sie und Ihre Vorlesung stünde ich jetzt nicht hier als Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau.

Als Offizier hat man auch so einiges über Didaktik und Methodik gelernt. Und die Lehre an der TH war bei manchen Lehrstühlen nicht optimal. Da musste ich mich engagieren, um etwas zu verändern und zu verbessern. Ich wurde zum Semestersprecher gewählt, saß bald als studentischer Vertreter in der Abteilung und landete folgerichtig in der Studienreformkommission unter Ihrem Vorsitz. Ich habe Sie dort als einen engagierten akademischen Lehrer kennengelernt, dem die Verbesserung der Lehre ein wesentliches Anliegen war. Es war spannend, auch wenn wir in dieser Kommission letztendlich wenig bewegen konnten. Leider hatten nicht alle Professoren den gleichen Ehrgeiz wie Sie, den Studenten eine optimale Wissensvermittlung zu bieten.

Auch nach dem Vordiplom riss der Kontakt nicht ab. Denn Sie wechselten vom Lehrstuhl für Baukonstruktion auf den Lehrstuhl für Massivbau. So bekam ich weiter die Gelegenheit, Ihre Vorlesung zu hören. Als ein Glanzlicht ist mir in Erinnerung, wie Sie uns erklärt haben, was beim Reißen des Stahlbetons geschieht. Wir haben als Studenten gemerkt, wie sehr das Fach Sie begeistert hat und das wirkte sich auf die Lehre aus: Von einem begeisterten Lehrer lernt es sich am besten.

Warum ich mich dann für eine Vertiefung in Baustatik und Stahlbau entschieden habe, kann ich heute nicht mehr sagen. Aber die Entscheidung für konstruktive Fächer lag an der Begeisterung, die Sie seit dem ersten Semester bei mir geweckt haben.

Wir sind uns dann zwar immer wieder begegnet, zum Beispiel bei Seminaren des VBI, aber ich kann den Zeitpunkt genau definieren, ab dem ich Ihnen wieder öfter begegnet bin. Das ist die Gründung der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Vielleicht gäbe es ohne Sie gar keine Kammer der Ingenieure in Bayern. Sie haben den damaligen Landesvorsitzenden des VBI, Professor Scholz, Ihren Kollegen aus Assistentenzeiten bei Professor Rüsch, davon überzeugt, dass die gesetzlichen Grundlagen für eine Kammer geschaffen werden müssen. Sie waren dann Mitglied im Gründungsausschuss der Kammer, haben sich vom ersten Tag an als Mitglied der Vertreterversammlung, im Vorstand und in der Leitung der Akademie für die Belange des Berufsstandes engagiert.
Mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der Sie sich 1968 für die Belange der Studenten engagiert haben, wurden Sie in der Kammer aktiv. Sie waren wieder ein Vorbild für viele. Sie haben uns jüngeren vorgelebt, dass fachliche Brillanz und gesellschaftliches Engagement zusammengehören.

Sehr verehrter Herr Professor Kupfer, im Namen der jetzt über 6000 Mitglieder der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau gratuliere ich Ihnen ganz herzlich zu Ihrem Geburtstag. Ich wünsche ihnen noch viele Jahre in Gesundheit und geistiger Frische.
Und ich danke Ihnen im Namen von vielen Jahrgängen der Studenten, denen Sie die Liebe zu Ihrem Beruf weitergegeben haben.

Zur Erinnerung möchte ich Ihnen die gesammelten Hefte zu den Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst überreichen. Die Bundesingenieurkammer zeichnet damit hervorragende Bauwerke aus, die exemplarisch die Kunst unseres Berufsstandes zeigen. Die ersten zehn Auszeichnungen sind hier beschrieben und gewürdigt. Vielleicht wird es Sie interessieren: Es wurden bisher ein Verbundbau, drei Stahlbauten und sieben Massivbauten ausgezeichnet. Ihr Fach, der Massivbau, ist also stark vertreten. Bisher ist kein Holzbau ausgezeichnet worden. Sie hatten an der TH mit der Baukonstruktion auch den Lehrstuhl für Holzbau inne. Also fehlt noch ein Wahrzeichen in Holzkonstruktion. Es mag ein Zufall sein, aber am 20. April wird in Kempten der erste Holzbau als Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst ausgezeichnet: die König-Ludwig-Brücke in Kempten. Dazu kann ich nur die Einladung zur Veranstaltung übergeben. Das Heft erscheint erst am 20.4.

 

 

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