Intergenerative Räume für eine Gesellschaft im Wandel

Veranstaltungsreihe "Qualität zählt"
04. Dezember 2012
Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt
Grußwort von Dr.-Ing. Heinrich Schroeter, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau

[es gilt das gesprochene Wort]


Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Grebner,
sehr geehrte Frau Prof. Voitländer,
sehr geehrte Frau Prof. Dr. Spellerberg,
sehr geehrter Herr Pfister,
sehr geehrte Damen und Herren,

das Thema der heutigen Qualität-zählt-Veranstaltung lautet „Intergenerative Räume für eine Gesellschaft im Wandel“. Neben der Energiewende ist der demografische Wandel die größte Herausforderung unserer Zeit. Wir alle wissen das. Es muss etwas geschehen, darin sind sich auch alle einig. Doch zu wissen, dass sich etwas ändern muss, reicht nicht. Entscheidend ist die Frage, wie die notwendigen Änderungen bewerkstelligt werden können. Und genau das unterscheidet uns Ingenieure und Architekten vom Gros der Bevölkerung: wir wissen wie, diese Herausforderungen gestemmt werden können.

Die Lebensumstände sind heute nicht mehr so hart wie vor 100 oder vor 50 Jahren und die medizinische Versorgung wird immer besser. Die Folge: die Menschen werden immer älter. Mädchen, die dieser Tage in Deutschland geboren werden, werden im Schnitt 82 Jahre und 7 Monate alt, Jungen erreichen laut der Statistik ein Alter von 77 Jahren und 6 Monaten. Die Lebenserwartung in Deutschland ist damit auf ein Rekordhoch gestiegen.

Bekannt ist auch, dass in Deutschland immer weniger Kinder geboren werden. Zunehmend weniger Kinder und Jugendliche stehen einer steigenden Zahl von Senioren gegenüber. Spiegel Online schrieb erst vor wenigen Wochen: „Die Bundesrepublik ist bereits heute das Altersheim Europas. Im Jahrbuch 2011 des Europäischen Statistikamts führt Deutschland gleich zwei Tabellen an: als Land mit dem geringsten Anteil an Jugendlichen und dem höchsten Anteil an Rentnern aller 27 Staaten.“

Deutschland ist das Altersheim Europas. Das wirkt sich auf unsere Gesellschaft aus und es muss sich auch auf die Gestaltung unseres Lebens, unserer Lebensräume, auswirken. Der wohl wichtigste Lebensraum für jeden Menschen ist sein zu Hause. Es ist wichtig, dass die Wohnung oder das Haus, in dem man lebt, so gestaltet ist, dass seine Bewohner darin gut zurechtkommen. Die Bewohner dürfen in ihrem Alltag nicht eingeschränkt werden. Vielmehr sollte der Lebensraum die Handgriffe des täglichen Lebens erleichtern.

Doch das Leben spielt sich nicht nur in den eigenen vier Wänden ab. Auch der öffentliche Raum muss so konzipiert sein, dass er möglichst allen nützt und niemanden einschränkt. Dabei geht es nicht nur um ältere Menschen, es geht auch um diejenigen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Um die, die ein gebrochenes Bein haben, einen Kinderwagen dabei haben oder eine Behinderung haben. Sie alle müssen uneingeschränkt teilhaben können am gesellschaftlichen Leben. Es darf nicht sein, dass Personengruppen ausgegrenzt werden, weil bestimmte Orte für sie schwer erreichbar sind.

Ingenieure und Architekten übernehmen mit ihrer Arbeit stets Verantwortung für das Gemeinwohl. Sie planen und bauen die Infrastruktur ganzer Städte und sie realisieren die privaten Wohnbereiche der Menschen. Die Lebensräume müssen auf die Bedürfnisse derer abgestimmt sein, die in und mit ihnen leben. Individuelles Leben und gemeinschaftliches Leben muss möglich sein.

Ich habe kürzlich in der Zeitung ein Foto gesehen vom Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses gesehen. Da stand ein Kinderwagen neben einem Rollator. Dieses Bild symbolisiert für mich das, was wir anstreben sollten: Lebensräume, die für die Jungen und die Alten, für die Fitten und für die Gebrechlichen geeignet sind.

Damit dies gelingen kann, müssen sich die verschiedenen Disziplinen, die an Bauprozessen beteiligt sind, an einen Tisch setzen. Die Spezialisten der einzelnen Bereiche müssen diskutieren und sich austauschen, um gemeinsam die beste Lösung für die Menschen zu finden. Genau das geschieht bei „Qualität zählt“ – Architekten und Ingenieure berichten über ihre Arbeit. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau und die Bayerische Architektenkammer, die Berufsverbände BDA, BDLA und VBI sowie die Bauindustrie und das Baugewerbe kommen bei „Qualität zählt“ zusammen. Klar ist: in einem Forum, das Qualität an die erste Stelle stellt, zählt auch der Mensch. Und deswegen freue ich mich sehr, heute hier die Bayerische Ingenieurekammer-Bau vertreten zu dürfen.

Ich freue mich nun auf die Vorträge von Frau Prof. Voitländer und Frau Prof. Spellerberg, die uns interessante Impulse liefern werden, wie intergeneratives Leben durch bauliches Know-How gefördert werden kann. Und ganz besonders freue ich mich auch auf die Ideen, die die Ausstellung „Wohnen – Neue Architektur für den demografischen Wandel- Wohnmodelle Bayern“ im Flur vor dem Hörsaal präsentiert. Die Ausstellung der Obersten Baubehörde zeigt an Hand von 26 Projekten des Experimentellen Wohnungsbaus unterschiedlichste Lösungsansätze zu den Herausforderungen des demografischen Wandels. Nach der Veranstaltung steht Ihnen Frau Schmid-Hammer von der Obersten Baubehörde gerne für Fragen zur Ausstellung zur Verfügung.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend mit viel Erkenntnisgewinn und einem regen Austausch unter Kollegen.

 

 

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