Fachtagung Grüne Fabriken

6. November 2013, ab 10:00 Uhr
Versicherungskammer Bayern, Maximilianstraße 53, 80530 München
Grußwort von Dr.-Ing. Heinrich Schroeter
Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau

 [es gilt das gesprochene Wort]


Sehr geehrter Herr Prof. Krämmel,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich, Sie heute bei der Fachtagung „Grüne Fabrikgebäude - Energieeffiziente Nichtwohngebäude“ begrüßen zu dürfen. Wir konnten viele erfahrene Experten als Referenten für diese Tagung gewinnen – ihnen gilt mein spezieller Dank.

Energieeffizienz – das ist eines der Kernthemen unserer Zeit. Wie kann man Energie einsparen, wie kann man sie effizienter nutzen, kann man sie gar „recyceln“? Diese Fragen treiben uns um. Von Privatpersonen angefangen bis zu den Unternehmern haben sich fast alle schon mit der Frage der Energieeffizienz und Energieeinsparung beschäftigt. Einerseits um Kosten zu sparen, andererseits um nachhaltiger zu leben und nicht zuletzt auch, weil es uns die Politik verordnet hat. Die Energieeinsparverordnung und das EEG sind die gesetzlich geregelten Stufen, über die wir das hehre Ziel Energiewende erreichen sollen.

Der Gedanke der Nachhaltigkeit spielt dabei eine große Rolle. Wir alle sind gefragt, uns dafür einzusetzen, dass wir unseren Kindern und Enkeln eine lebenswerte, intakte Umwelt hinterlassen. Der Energieverbrauch ist bei Unternehmen natürlich ungleich höher als bei Privathaushalten. Damit haben Unternehmen auch wesentlich mehr Möglichkeiten, Energie einzusparen. Das nutzt nicht nur den Unternehmen selber – denn Energie sparen heißt Geld sparen – es nutzt auch der Umwelt.

Ganz aktuell hat die Bundesregierung am 16. Oktober 2013 die Novelle der EnEV mit den vom Bundesrat vorgesehenen Änderungen beschlossen. Kernelement der Novelle ist eine Anhebung der Effizienz¬anforderungen für Neubauten um einmalig 25 Prozent ab 1. Januar 2016. Die Dämmleistung soll um 20% steigen. Bestandsgebäude sind von Verschärfungen nicht nennenswert betroffen. Die Neuregelungen treten im Wesentlichen erst sechs Monate nach der Verkündung in Kraft, voraussichtlich im Frühsommer 2014.

Der Anteil der Industrie am gesamten Endenergiebedarf in Deutschland liegt bei 29,8 %. Auf Gewerbe, Handel und Dienstleistungen entfallen 15,5% des Gesamtbedarfs. Im Vergleich: Privathaushalte haben einen Endenergiebedarf von 27 %.

Wenn wir uns genauer ansehen, wo dieser Bedarf herkommt, sehen wir, dass in der Industrie die Raumwärme, das Warmwasser oder die Beleuchtung kaum eine Rolle spielen. Damit sind genau die Bereiche, die die EnEV regelt, für Unternehmen von untergeordneter Bedeutung.

Der Bärenanteil des Endenergiebedarfs der deutschen Industrie entfällt auf Prozesswärme und mechanische Energie. Der Endenergiebedarf aus diesen beiden Bereichen liegt bei satten 87,2%. Hier ist das Einsparpotential enorm.

Produzierende Betriebe wenden bis zu 10 % ihrer Gesamtkosten für Energie auf. Das ist eine Menge Geld. Jeden Euro, der hier gespart werden kann, kann das Unternehmen anderweitig investieren.

Jedes Unternehmen sollte für sich genau analysieren, wo sein individuelles Einsparpotential liegt. Was lässt sich bei der Logistik verbessern? Kann man im Bereich der Maschinen etwas einsparen, z.B. durch neuere, energieeffizientere Modelle? Welche Möglichkeiten hat das Unternehmen, selbst Energie zu erzeugen? Wird Abwärme bereits genutzt? Haben Sie eine Solaranlage auf dem Dach? Wäre Geothermie eine Option?

Da Energieeffizienz ein so wichtiges, aber eben auch breit gefächertes Thema ist, haben wir bei der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau beschlossen, diesem Feld eine besondere Aufmerksamkeit zuteilwerden zu lassen.

Vor anderthalb Jahren hat unser Vorstand vier Arbeitskreise berufen, die sich jeweils mit verschiedenen Spezialthemen aus dem breiten Feld der Energie beschäftigen. Aus unserer Sicht ist es nur so möglich, im besten Sinne des Wortes energieeffiziente Lösungen zu finden.
So gibt es bei uns:
-    den Arbeitskreis Energetische Infrastruktur
-    den Arbeitskreis Nachhaltige Verkehrsinfrastruktur
-    den Arbeitskreis Nachhaltigkeit in der kommunalen Infrastruktur
-    und den Arbeitskreis Nachhaltigkeit und Energieeffizienz im Hochbau

Diese Arbeitskreise haben großen Anteil daran, dass die Bayerische Ingenieurekammer-Bau im Juni erstmals einen bayernweiten Tag der Energie durchführen konnte. Unsere Mitglieder haben am Tag der Energie ihre Projekte vorgestellt. Ein zentraler Bestandteil des Tags der Energie waren Veranstaltungen zum Thema energetische Sanierung von Bestandsgebäuden sowie der Bau von Plusenergiehäusern und Passivhäusern. Ebenso gab es Führungen zu Solarparks, Wasserkraftwerken oder einem Geothermie-Heizkraftwerk.

Unter den 22 Projekten waren größere und kleinere Lösungen. Lösungen aus dem privaten Bereich und auch einige von Unternehmen. Mit dabei war übrigens auch die Rehau AG, die heute hier von Herrn Frank Stegemann vertreten wird. Von ihm werden sie später hören, wie die Rehau AG die Energetische Sanierung ihres Headoffices angepackt hat und wie sie mit dem Ergebnis zufrieden sind.

Das große Interesse der Bevölkerung und auch der Medien am Tag der Energie, bestätigt uns in unserem Weg, den Menschen Beispielprojekte zu zeigen und ihnen so ganz konkret zu erklären, wie Energieeinsparungen möglich sind.

Und weil die vielen Veranstaltungen so gut angekommen sind, haben wir beschlossen, im nächsten Jahr wieder einen Tag der Energie zu veranstalten. Merken Sie sich schon mal den 12. und 13. Juli 2014 vor. Wir würden uns freuen, Sie bei einer der Veranstaltungen begrüßen zu dürfen. Und wenn Sie Mitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau sind, können Sie sogar selbst ein Projekt bei unserer Geschäftsstelle einreichen und sich und ihre Lösung dann am Tag der Energie einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Sehr gerne stellen wir auch grüne Fabriken vor! Die Einreichfrist läuft noch bis zum 14. Februar 2014.

Ein weiteres Ergebnis der Arbeit unserer vier Energiearbeitskreise ist die Broschüre „Die Leistungen der bayerischen Ingenieure zur Energiewende“. In dieser Broschüre werden u.a. Wege und Möglichkeiten zum baulichen Wärmeschutz sowie zur energieoptimierten technischen Gebäudeausrüstung aufgezeigt.

Genau diese technischen Lösungen entwickeln wir Ingenieure. Und zwar passgenau, auf das jeweilige Objekt zugeschnitten. Nur mit uns Ingenieuren ist der Weg von der grauen Fabrik zur grünen Fabrik möglich. Wir finden Wege, Sanierungsmaßnahmen so durchzuführen, dass der laufende Betrieb möglichst wenig beeinflusst wird.
Wir finden wirtschaftlich sinnvolle Lösungen, damit sich die anfänglichen Investitionen schnell auch finanziell auszahlen.
Ökologisch arbeiten und ökonomisch arbeiten, das muss kein Widerspruch sein. Klar ist, dass es keine Lösungen von der Stange geben kann. In jeder Fabrik finden wir eine andere Ausgangslage vor. Auf die individuellen Gegebenheiten müssen wir Planer uns jedes Mal aufs Neue einstellen. Das ist immer wieder eine große Herausforderung. Aber es lohnt sich, diese Herausforderung anzunehmen. Die Unternehmen, die den Weg zur grünen Fabrik auf sich genommen haben, werden ist es nicht bereuen.

Und damit darf ich das Wort übergeben an Herrn Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Mauch, der Ihnen den Weg von der grauen zur grünen Fabrik beschreibt. Vielen Dank.

 

 

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