Ingenieuretag ZVI Bayern

Mittwoch, den 30. September 2015, 10.00 Uhr
Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern, Infanteriestr. 1, 80797 München

Grußwort Dr.-Ing. Heinrich Schroeter
Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau



[es gilt das gesprochene Wort]

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bedanke mich sehr herzlich für die Einladung zum Ingenieuretag des ZVI. Gerne bin ich der Einladung zu diesem wichtigen Treffen des Berufsstands gefolgt. Als Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau weiß ich nur zu gut, wie wichtig die Leistungen der Ingenieure im Öffentlichen Dienst sind.

„Bayern braucht Ingenieure“ – dieses Motto haben Sie der heutigen Veranstaltung gegeben. Das Thema ist nicht neu. Aber es ist brandaktuell. Leider. Denn seit vielen Jahren schon hat es unser Berufsstand schwer, qualifizierte Nachwuchskräfte zu bekommen und junge Menschen für eine Karriere im Ingenieurwesen zu begeistern. Dabei bietet unser Beruf so viele Möglichkeiten. Er ist abwechslungsreich und verantwortungsvoll. Ohne uns Ingenieure gäbe es keine moderne Infrastruktur, kein modernes Leben.

Aber es hilft nicht, zu klagen. Wir müssen den Ursachen auf den Grund gehen und nach Lösungen suchen, um unseren Beruf wieder attraktiver zu machen.

Sehen wir uns also die Situation im öffentlichen Dienst an. Gute Ingenieure in den öffentlichen Verwaltungen sind von wesentlicher Bedeutung. Sie sind Partner der Ingenieurbüros, wenn es um die Realisierung wichtiger Projekte geht. Ohne kompetente Ingenieur-Kollegen in den Verwaltungen können die Freiberufler keinen Erfolg haben. Hier müssen beide Seiten Hand in Hand arbeiten.

Bedingt durch das politische Ziel des schlanken Staats, werden immer mehr Aufgaben an die freiberuflichen Büros abgegeben. Aber ob das der richtige Weg ist? Wie soll der junge Ingenieur in der öffentlichen Verwaltung die für seinen Beruf notwendige Erfahrung erwerben, wenn er immer nur Leistungen vergibt, es aber nicht lernt, die Leistung zu beurteilen? Denn das lernt man nur, wenn man die Leistung auch einmal selber erbracht hat. Und deswegen muss der öffentliche Dienst im Bereich der technischen Aufgaben so aufgestellt sein, dass dort eigenständig Projekte bearbeitet werden können und auch bearbeitet werden. Nur so ist eine hochwertige Ausbildung der Ingenieure im öffentlichen Dienst möglich.

Sie alle kennen den Spruch: „Geld alleine macht nicht glücklich. Aber es beruhigt.“ Da kommen wir zu einem ganz wichtigen Punkt. Fakt ist, dass die Büros ihren Mitarbeitern meist mehr Gehalt bezahlen, als dies die Behörden tun. Besonders für junge Menschen, die gerade beginnen, auf eigenen Beinen zu stehen, ist der Verdienst nun auch einmal ein Aspekt, den man nicht unterschätzen darf.

Kein Wunder also, wenn ein Großteil der Absolventen direkt einen Job in den großen Büros anpeilt. Wenn es dann ohnehin schon zu wenige Absolventen gibt, gehen die Behörden leer aus. Denn wer erstmal zehn Jahre im Büro gearbeitet hat und grundsätzlich Spaß an seinen Aufgaben dort hat, wird kaum mehr in eine Behörde wechseln. Somit tut der öffentliche Dienst gut daran, junge Leute gleich nach Abschluss ihres Studiums an sich zu binden. Damit dies gelingt, sollte man auch die Gehaltsstrukturen und vor allem die Aufstiegsmöglichkeiten in den Behörden auf den Prüfstand stellen.

Es hat sich herumgesprochen, dass der Aufstieg von der Qualifikationsebene 3 in die Ebene 4 für technische Beamte extrem selten ist. Denn dies ist nur nach Dienstalter möglich. Und dass die Ausbildungszeit bei den technischen Beamten nicht als Dienstzeit angerechnet wird, bei den Verwaltungsbeamten aber schon – das ist schlicht ungerecht. Auch ist der Vorbereitungsdienst sehr schlecht bezahlt. Für eine junge Familie kann das finanziell ein echtes Problem sein.

Stellen, die neu zu besetzen sind, werden auf der Ebene Q3 angesiedelt, womit Bachelor-Absolventen die Zielgruppe sind. Daraus ergeben sich zwei Schwierigkeiten:

  1. Der Abschluss des früheren Diplom-Ingenieurs wird auf diese Weise indirekt entwertet. Er ist der Verlierer des Bologna-Prozesses.
  2. Und die Bachelor-Absolventen müssen auf der Ebene Q3 einsteigen und haben faktisch keine Möglichkeit, in die Ebene Q4 aufzusteigen.
Wie aber können wir die bestehenden Schwierigkeiten beheben? Wichtig sind hier zwei Punkte:

  1. Man muss Lösungsvorschläge haben.
  2. Man muss als möglichst große Gemeinschaft diese Lösungsvorschläge den richtigen Stellen unterbreiten.
Zu Punkt 1 hat der ZVI schon sehr gute Arbeit geleistet. Er weiß um die Probleme. Und er hat gute Ideen, wie man sie lösen könnte.

Nun sind wir beim zweiten Stichpunkt, der großen Gemeinschaft. Sie alle hier, die Mitglieder des ZVI haben schon mal das Richtige getan: Sie haben sich einem Verband angeschlossen, der ihre Interessen vertritt. Das ist gut. Und gut ist auch, dass der ZVI in regelmäßigem Austausch mit unserer Kammer steht.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau versteht sich seit jeher als „Große Kammer“. Das heißt, wir vertreten die Interessen aller am Bau tätigen Ingenieure. Ganz gleich, ob es sich um Freiberufler, Angestellte oder Beamte handelt. Unser Anliegen ist es, Ihnen allen Gehör zu verschaffen, in der Politik, in der Öffentlichkeit, gegenüber ihren Geschäftspartnern.

Doch noch weit wirkungsvoller wäre es, wenn Sie alle zusätzlich auch Mitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau würden. Wir sind die Interessensvertretung des Berufsstands mit einem gesetzlichen Auftrag. Unsere Stimme wird vom Gesetzgeber gehört. Und sie wird umso besser gehört, je stärker unsere Interessensvertretung ist – sprich: je mehr Mitglieder wir haben.

Auch für die Zukunft muss gewährleistet bleiben, dass junge, fähige Ingenieurinnen und Ingenieure die wichtigen Aufgaben in der Verwaltung übernehmen. Das gelingt aber nur, wenn die Verwaltung als Arbeitsplatz für die jungen Ingenieurinnen und Ingenieure attraktiv ist.

Wir brauchen genug gutes Personal in den öffentlichen Verwaltungen. Die Verwaltungen dürfen nicht zu schlank werden.

Wir Menschen können nur bis zu einem gewissen Maß abnehmen, danach wird es ungesund. Das ist auch in der Berufswelt nicht viel anders. Wenn wir statt eines schlanken Staats irgendwann nur noch ein mageres und nicht leistungsfähiges Gerippe haben, ist keinem geholfen.

Deswegen appelliere ich an Sie, unsere Abgeordneten:

 

 

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