VII. Ingenieurtag IWSV, Ingenieurverband der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung e.V.

Freitag, 29. April 2016, ab 09.00 Uhr
IBB Hotel Passau City Center, Bahnhofstr. 24, 94032 Passau

Grußwort Dr.-Ing. Heinrich Schroeter
Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau


[es gilt das gesprochene Wort]


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich, heute vor Ihnen anlässlich des 7. Ingenieurtags des Ingenieurverbands der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sprechen zu dürfen. Mit der Dreiflüsse-Stadt Passau haben Sie für Ihre Tagung einen wunderbaren Ort an der großen europäischen Wasserstraße von der Nordsee zum Schwarzen Meer gewählt.

Dass Ingenieurleistungen in quasi allen Bereichen unseres modernen Lebens zu finden sind – ja, dass ohne sie unser modernes Leben gar nicht möglich wäre, das brauche ich Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, natürlich nicht zu sagen. Sie wissen das. Und wir wissen das.

Aber leider wissen es nicht alle in unserer Bevölkerung. Da gibt es Bereiche des Ingenieurwesens, die sind beim „Otto-Normal-Verbraucher“ recht gut präsent und es gibt Bereiche, die sind dem Durchschnittsbürger relativ wenig geläufig.

Nicht nur die Frage, welche Aufgabe ein Ingenieur übernimmt, ist hier wichtig. Also z.B. ob er die Statik berechnet oder ob er die Maschinentechnik eines Bauwerks entwickelt. Nein, wichtig ist auch, wo genau er sein Wissen einsetzt. Straßen, Tunnel, Brücken – das wird traditionell von vielen Leuten mit Ingenieuren in Verbindung gebracht. Bei Gebäuden steht in der Wahrnehmung häufig der Architekt im Vordergrund.

Schienenverkehr? Fällt den meisten nicht auf Anhieb ein. Aber, ja, doch, in diesem Feld sind Ingenieure wichtig. Und der Wasserbau? Wasserwege? Schifffahrt? Das haben leider oft nur diejenigen auf dem Schirm, die am Wasser wohnen. Das ist irgendwie nachvollziehbar. Aber auch sehr schade. Denn im Bereich des Wasserbaus sind Ingenieure unverzichtbar.

Gerade deshalb freut es mich besonders, dass Sie mich als Präsidenten der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau zu Ihrem heutigen Ingenieuretag eingeladen haben. Unsere Kammer ist mit nahezu allen Ingenieurverbänden vernetzt und in gutem, engen Austausch. Dass nun auch der Kontakt zum IWSV hergestellt ist, finde ich großartig und möchte Sie alle ermuntern, den Austausch mit unserer Kammer oder der Ingenieurkammer in Ihrem Bundesland zu suchen.

Einmal im Jahr, meist zum Jahresbeginn, laden wir alle Verbände zum Gespräch in unsere Kammer ein. Da informieren wir darüber, was unsere Kammer im vergangenen Jahr getan hat und was unsere zentralen Projekte fürs neue Jahr sind. Und natürlich hat jeder Verband Gelegenheit, zu erzählen, wo bei ihm der Schuh drückt und wo er sich mehr Unterstützung durch die Kammer wünscht.

Ich möchte Sie daher herzlich einladen, den Austausch mit uns zu suchen. Sagen Sie uns, was wir für Sie tun können und wir werden uns nach Kräften bemühen, Sie in Ihren Projekten zu unterstützen.

Ich persönlich würde es ohnehin befürworten, wenn der Wasserbau in unserer Kammer präsenter werden würde. Wir haben nicht so viele Wasserbauer unter unseren Mitgliedern und da ist es klar, dass dieses Thema nicht ganz oben auf der Agenda steht. Denn die Kammer kann nur dort agieren, wo ihre Mitglieder sich einbringen.

Im Juli widmet sich so unsere Kammer dem Wasserbau in ganz spezieller Weise. Zum inzwischen dritten Mal führen wir das „Forum Flusswellen“ durch. Einen ganzen Tag lang bieten wir Fachvorträge zum Thema Bau von künstlichen Flusswellen für den Surfsport an. Aus ganz Europa kommen Kolleginnen und Kollegen zum fachlichen Austausch zusammen.

Dieses Thema hat eines unserer jungen Mitglieder an uns herangetragen. Wir haben ihn und das Thema unterstützt und die Resonanz ist groß. Es macht unseren Berufsstand sichtbar und uns als Kammer für junge Ingenieure attraktiv. Beides ist wichtig. Dieses Jahr wird das Forum in Nürnberg stattfinden und von Staatsminister Söder eröffnet.

Doch wir möchten nicht den Eindruck vermitteln, als würde unsere Kammer den Bau von Flusswellen als vorrangiges Wasserbauthema in den Fokus rücken. Sicher haben Sie eine Reihe von Themen und Projekten, die Sie gerne in eine breitere Öffentlichkeit tragen möchten. Ich kann Sie nur herzlich einladen: nehmen Sie Kontakt mit uns auf. Wo immer es möglich ist, werden wir Sie gerne unterstützen und Kooperationen eingehen.

In der öffentlichen Wahrnehmung der Verkehrswege spielen die Straßen die große Rolle. Danach werden die Schienenwege als zweitrangig wahrgenommen. Aber es gibt eben nicht nur Autobahnen und Schienenverkehr. Es gibt auch die Wasserstraßen. Und die haben eine große wirtschaftliche Bedeutung.

Gerade in den Zeiten der Energiewende müssen die Schienenwege und noch mehr die Wasserstraßen in der öffentlichen Wahrnehmung eine größere Rolle spielen. Beim energieeffizienten Gütertransport spielt das Schiff die erste Rolle, danach kommt die Bahn und erst ganz am Schluss der Lkw. Aber wer weiß schon, dass auch Binnenschiffe Container transportieren? Dass an allen Wasserstraßen trimodale Güterzentren entstanden sind? Wer kennt überhaupt das Wort trimodal? Und dass das autonome Fahren in der Binnenschifffahrt schon lange auf der Agenda steht, länger als bei den Autos, ist auch den meisten Bürgern unbekannt.

Nicht vergessen sollte man aber auch die Bedeutung der Wasserstraßen für den Tourismus. Die Anzahl der Schiffsankünfte an den Anlegestellen der Städte entlang der Rhein-Main-Donau-Wasserstraße ist enorm gestiegen. Die Stadt Nürnberg hat gerade ihre Anlegestelle groß ausgebaut.

Aber hier sollte der Bund nicht nur die großen Kanäle und Flüsse im Blick haben. Wer einmal von Berlin auf der oberen Havel zur Müritz gefahren ist und dabei die Fahrt durch die Schorfheide erlebt hat, wird dies wohl nie vergessen. Und hat dabei gelernt, dass auch kleine Schleusen wichtig sind.

Ich befürchte, dass durch die Zentralisierung der Wasserstraßenverwaltung des Bundes solche regionalen Aspekte aus dem Sichtfeld geraten. Deswegen sehen wir in der Kammer diese Zentralisierungsbestrebungen des Bundes, wie sie aktuell vom Bundesverkehrsministerium auch beim Straßenbau betrieben werden, sehr kritisch. Die bundesweit erste Zentralbehörde für einen Verkehrsweg, das Eisenbahnbundesamt, ist da nach den Erfahrungen vieler Kollegen nicht immer ein Vorbild.

Aber eines steht fest: damit der Verkehr auf dem Wasser sich weiter entwickeln kann, braucht es kompetente Ingenieure. Das ist eine der zentralen Botschaften, die ich gerne gemeinsam mit Ihnen und mit unserer Kammer noch bekannter machen möchte. Darauf freue ich mich.

Ich wünsche der Tagung einen guten Verlauf und Ihnen viele Impulse für Ihre Arbeit.

 

 

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