Digitale Kammerwahl - 21.09. bis 04.10.2026 - Jetzt wählen!
Digitale Kammerwahl - 21.09. bis 04.10.2026 - Jetzt wählen!
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
Mitreden. Mitgestalten.
Mitreden. Mitgestalten.

Profitieren Sie von den Vorteilen der Mitgliedschaft!

22
23
24

Künstliche Intelligenz in der Planung: Neuer Leitfaden der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau - Kostenfrei!

Chancen nutzen, Sorgfaltspflichten kennen – KI verantwortungsvoll im Ingenieur- und Planungsbüro einsetzen

23.09.2026 - München

Künstliche Intelligenz in der Planung: Neuer Leitfaden der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau - Kostenfrei!

Künstliche Intelligenz verändert den Planungsalltag - und stellt Ingenieurinnen und Ingenieure vor viele neue Herausforderungen. Mit dem neuen Leitfaden „Künstliche Intelligenz in der Planung“ gibt die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ihren Mitgliedern eine praxisnahe Orientierung an die Hand. Der Leitfaden will Mut machen, KI aktiv zu nutzen. Er zeigt, wie Planende künstliche Intelligenz verantwortungsvoll einsetzen können, wo die Chancen liegen und welche Sorgfaltspflichten Planungsbüros unbedingt beachten sollten.

Künstliche Intelligenz ist im Planungsalltag angekommen – und sie verändert bereits heute, wie Ingenieurinnen und Ingenieure recherchieren, planen, dokumentieren und Entscheidungen vorbereiten. Sie kann beim Formulieren von Texten unterstützen, Varianten schneller vergleichbar machen, Berechnungen vorbereiten, große Datenmengen strukturieren oder Routineaufgaben beschleunigen. 

Doch wo liegen die Grenzen? Welche Ergebnisse müssen besonders sorgfältig geprüft werden? Was bedeutet die EU-KI-Verordnung für Planungsbüros - und wie lässt sich KI nutzen, ohne Verantwortung, Haftung, Datenschutz und fachliche Qualität aus dem Blick zu verlieren? 

Der neue Leitfaden der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau gibt darauf praxisnahe Antworten. Er zeigt, wie KI verantwortungsvoll eingesetzt werden kann, welche Regeln im Büro sinnvoll sind und welche Arbeitshilfen den Einstieg erleichtern. Der Leitfaden steht den Mitgliedern kostenfrei zum Download zur Verfügung.

KI als Werkzeug - nicht als Ersatz für Verantwortung

Der Leitfaden stellt klar: KI kann Prozesse beschleunigen, Alternativen sichtbar machen und komplexe Informationen schneller erschließen. Typische Einsatzfelder reichen von Schriftverkehr, Protokollen und Berichtsentwürfen bis zu Variantenstudien, Mengenermittlungen, Vordimensionierungen oder der Unterstützung bei der Recherche nach Normen.

Gleichzeitig warnt der Leitfaden vor überzogenen Erwartungen. Generative KI kann plausibel klingende, aber falsche Ergebnisse liefern - mit erfundenen Quellen, Normstellen oder Zahlen. Besonders riskant ist der Automation Bias: die Neigung, maschinell erzeugten Ergebnissen zu stark zu vertrauen.

Für Ingenieurinnen und Ingenieure ergibt sich daraus eine einfache Grundregel: KI unterstützt, aber die Entscheidung, Prüfung und Verantwortung bleiben beim Menschen. Ein KI-Ergebnis wird erst dann zum eigenen Arbeitsergebnis, wenn es fachlich geprüft, bewusst übernommen und verantwortet wird.

Auswahlmatrix: Fehlerfolgen und Korrigierbarkeit 
Auswahlmatrix: Fehlerfolgen und Korrigierbarkeit

Besonderer Fokus: Normen, Statik und Kontrollrechnung

Besonders wichtig ist der Blick auf die technischen Regelwerke. DIN-, EN- und Eurocode-Texte sind in großen Sprachmodellen häufig nur unvollständig oder indirekt enthalten. Daraus entstehen typische Fehler: erfundene Abschnittsnummern, verwechselte Nationale Anhänge, vermischte Normengenerationen oder übersehene Anwendungsgrenzen.

Der Leitfaden formuliert deshalb eine klare Praxisregel: Keine Normstelle zitieren, die nicht im Originaltext verifiziert wurde. KI kann helfen, Suchrichtungen aufzuzeigen, aber sie ersetzt nicht die Prüfung der maßgeblichen Fassung, des Nationalen Anhangs und der bauaufsichtlichen Einführung.

Sensibel ist der Einsatz von KI bei Tragwerk, Bemessung und sicherheitsrelevanten Entscheidungen. Ob KI-gestützte Statik- oder Bemessungssoftware im Einzelfall als Hochrisiko-System gilt, ist rechtlich noch nicht abschließend geklärt. Unabhängig davon bleibt die Verantwortung für die Standsicherheit bei der Ingenieurin oder dem Ingenieur. Die Kontrollrechnung wird damit zum zentralen Instrument im KI-Zeitalter.

Was die EU-KI-Verordnung für Planungsbüros bedeutet

Der Leitfaden ordnet die europäische KI-Verordnung praxisnah ein. Für die meisten Ingenieur- und Planungsbüros ist der Einsatz marktüblicher KI-Werkzeuge kein Hochrisiko-Fall. Büros handeln in der Regel als Betreiber, nicht als Anbieter. Ihre Pflichten bleiben damit überschaubar: Werkzeuge bestimmungsgemäß nutzen, menschliche Aufsicht sicherstellen, KI-Kompetenz fördern und Ergebnisse prüfen.

Nicht jede KI-Unterstützung muss offengelegt werden. Für Angebote, Leistungsverzeichnisse, interne Aktennotizen, Baubeschreibungen oder E-Mails an Auftraggeber stellt sich die Kennzeichnungsfrage nach Art. 50 KI-VO regelmäßig nicht. Anders kann es bei Deep-Fakes oder bei veröffentlichten KI-generierten Texten zu Angelegenheiten von öffentlichem Interesse sein.

Auch die Pflicht zur KI-Kompetenz wird erläutert. Seit Februar 2025 gilt sie grundsätzlich über alle Risikostufen hinweg; nach der Digital-Omnibus-Verordnung wurde sie 2026 zu einer Förderpflicht abgeschwächt. Für Planungsbüros bleibt Kompetenzaufbau dennoch unverzichtbar: Wer ein Werkzeug einsetzt, dessen Grenzen er nicht kennt, riskiert Fehler, Haftungsfragen und Qualitätsverluste. Und zwar unabhängig davon, wie streng die KI-Verordnung formuliert ist.

Risikopyramide nach EU AI Act 
Risikopyramide nach EU AI Act

Organisation im Büro: Klare Regeln statt Schattennutzung

Für Büroinhaberinnen und Büroinhaber empfiehlt der Leitfaden, KI nicht dem Zufall zu überlassen, sondern klare und an die Bürogröße angepasste Regeln zu schaffen. Dazu gehören Festlegungen zu zugelassenen Werkzeugen, erlaubten Zwecken, vertraulichen Daten, Prüfregeln, Dokumentation und der Einbindung freier Mitarbeitender oder Nachunternehmer.

Ein pauschales Verbot ist selten hilfreich: Wo keine sicheren und freigegebenen Werkzeuge bereitstehen, entsteht leicht unkontrollierte Schattennutzung. Besser sind klare Leitplanken und ein bewusstes Risikomanagement.

Hilfreich sind insbesondere die Anhänge: 

  • eine Checkliste vor dem KI-Einsatz, 
  • eine Übersicht zur Verantwortung entlang der Leistungsphasen, 
  • eine Muster-KI-Regelung für das Büro, 
  • ein Dokumentationsbogen für den Projekteinsatz, 
  • ein Entscheidungsbaum zur Kennzeichnung 
  • und ein Glossar zentraler Begriffe. 

Damit ist der Leitfaden nicht nur eine rechtliche und fachliche Einordnung, sondern zugleich ein Arbeitsinstrument für die unmittelbare Anwendung im Büroalltag.

Prüfschleife, Plausibilitätsprüfung und Kontrollrechnung 
Prüfschleife, Plausibilitätsprüfung und Kontrollrechnung

Datenschutz, Vertraulichkeit und Vorgaben der Auftraggeber beachten

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Daten, Verträgen und den Vorgaben der Auftraggeber. Personenbezogene oder vertrauliche Projektdaten sollten nicht in offene KI-Dienste eingegeben werden, solange unklar ist, wie der Anbieter diese Daten verwendet. Gerade vertragliche Vorgaben zum KI-Einsatz sollten frühzeitig geprüft und an Nachunternehmer weitergegeben werden.

Auch das Thema Resilienz kommt zur Sprache. KI-Werkzeuge entwickeln sich schnell, Anbieter ändern Funktionen, Nutzungsbedingungen oder Verfügbarkeiten. Der Leitfaden empfiehlt daher, sich nicht von einem einzigen System abhängig zu machen, Eingaben und Ergebnisse portabel zu halten und wichtige Arbeitsprozesse so zu organisieren, dass sie auch ohne ein bestimmtes KI-Werkzeug funktionieren.

Einladung zur aktiven Auseinandersetzung

Der Leitfaden zeigt: Künstliche Intelligenz ist weder Heilsversprechen noch Bedrohungsszenario. Sie ist ein leistungsfähiges Werkzeug, das die Planung verändern wird und das Ingenieurinnen und Ingenieure dann am besten nutzen können, wenn sie seine Möglichkeiten ebenso kennen wie seine Grenzen.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau lädt ihre Mitglieder ein, sich mit dem Zukunftsthema auseinanderzusetzen, den Leitfaden im Büro zu diskutieren und die Arbeitshilfen für die eigene Praxis zu nutzen. Denn verantwortungsvoller KI-Einsatz ist keine rein technische Frage, er ist Teil professioneller Ingenieurarbeit.

Die Autoren

Der Leitfaden wurde erarbeitet von:

  • Univ.-Prof. Dr.-Ing. Michael Kraus 
    Arbeitskreis "KI in der Planung", Bayerische Ingenieurekammer-Bau

  • Dipl.-Ing. Univ. Milan Chakrabarti 
    Arbeitskreis "KI in der Planung", Bayerische Ingenieurekammer-Bau  

  • Dr. Andreas Ebert
    Justiziar, Bayerische Ingenieurekammer-Bau

Kostenfreier Download

Der Leitfaden steht den Mitgliedern der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau als praxisnahe Orientierungshilfe kostenfrei zum Download zur Verfügung.

Leitfaden: Künstliche Intelligenz in der Planung - Chancen nutzen, Sorgfaltspflichten kennen

Quelle: Bayerische Ingenieurekammer-Bau, Titelfoto Leitfaden: TippaPatt / Adobe Stock


Auch interessant

Künstliche Intelligenz in der Tragwerksplanung und im Bauingenieurwesen

Wo KI heute schon trägt, wo sie an Grenzen stößt - und was Ingenieurbüros daraus folgern sollten

Künstliche Intelligenz in der Tragwerksplanung und im Bauingenieurwesen

Künstliche Intelligenz verändert die Tragwerksplanung - nicht als Ersatz für Ingenieurinnen und Ingenieure, sondern als leistungsfähiges Assistenzsystem. Der Fachartikel von Jan Struck und Univ.-Prof. Dr.-Ing. Michael A. Kraus zeigt, wo KI in der Tragwerksplanung bereits heute bei Variantenuntersuchung, Dokumentenmanagement, Angebotsprozessen und Qualitätssicherung unterstützt, aber auch wo ihre Grenzen liegen. Denn gerade bei sicherheitsrelevanten Nachweisen bleiben Ingenieurverstand, Plausibilität, fachliche Kontrolle und Verantwortung weiterhin unverzichtbar.

Beitrag weiterempfehlen

Die Social Media Buttons oben sind datenschutzkonform und übermitteln beim Aufruf der Seite noch keine Daten an den jeweiligen Plattform-Betreiber. Dies geschieht erst beim Klick auf einen Social Media Button (Datenschutz).

5 gute Gründe für die Mitgliedschaft

Die Kammer auf Social Media

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei LinkedIn: #bayika-bau
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau auf Instagram #bayikabau
 
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei Facebook @BayIkaBau   #BayIkaBau
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei XING #bayerischeingenieurekammer-bau
 
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei YouTube
 

Jetzt Newsletter abonnieren!

Newsletter abonnieren und immer auf dem Laufenden bleiben - Grafik: Web Buttons Inc /  Fotolia

Frage des Monats

Welche Auswirkungen erwarten Sie vom Gebäudemodernisierungsgesetz für Ihr Büro? (Mehrfachnennungen möglich)
Steigende Auftragszahlen
Sinkende Auftragszahlen
Höherer Beratungsaufwand
Wachsende Anforderungen an die Planung
Probleme mit Fördermitteln
Keine Auswirkungen

Frühere Ergebnisse

Kammerwahl 2026

Kammerwahl 2026

Sustainable Bavaria

Sustainable Bavaria

Nachhaltig Planen und Bauen

Klimaschutz - Nachhaltig Planen und Bauen

Netzwerk junge Ingenieur:innen

Netzwerk junge Ingenieur:innen

Frauennetzwerk ingenieurinnen@bayika

Frauennetzwerk ingenieurinnen@bayika

Werde Ingenieur/in!

www.zukunft-ingenieur.de

www.zukunft-ingenieur.de

Veranstaltungstipps

Veranstaltungstipps

Beratung und Service

Beratung und Serviceleistungen - Foto: © denisismagilov / fotolia.com

Planer- und Ingenieursuche

Planer- und Ingenieursuche - Die Experten-Datenbank im bayerischen Bauwesen

Für Schüler und Studierende

Infos für Schüler und Studierende - © Foto: Drubig Photo / Fotolia.com

Einheitlicher Ansprechpartner

Einheitlicher Ansprechpartner

Berufsanerkennung
Professional recognition

Berufsanerkennung

Gebäudeforum klimaneutral

Partner des Netzwerks „Gebäudeforum klimaneutral“

Digitaltouren - Digitalforen

Digitaltouren - Digitalforen - Jetzt kostenfei ansehen

Meine Bayika - Bayika-Portal

Anschrift

Bayerische Ingenieurekammer-Bau
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Schloßschmidstraße 3
80639 München