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Umbau vor Neubau: Den Bestand zur ersten Wahl machen

Forderungen der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau zum Tag der Umbaukultur am 8. November 2026

06.11.2026 - München

Umbau vor Neubau: Den Bestand zur ersten Wahl machen

Zum Tag der Umbaukultur am 8. November 2026 fordert die Bayerische Ingenieurekammer-Bau, der Sanierung und dem Umbau Vorrang vor dem Neubau zu geben, vermeidbaren Abriss zu vermeiden und Bauentscheidungen am gesamten Lebenszyklus auszurichten. Es gilt, den Gebäudebestand als Ressource zu begreifen und die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft konsequent umzusetzen. Dafür braucht es einen neuen Blick auf den Wert bestehender Gebäude, aber auch Rahmenbedingungen, die ihren Erhalt erleichtern.

Was bereits gebaut ist, ist eine Ressource für die Zukunft. Gebäude bieten Raum, enthalten wertvolle Baustoffe und prägen die Identität unserer Städte und Gemeinden. Der bundesweite Tag der Umbaukultur macht seit 2022 am 8. November die Potenziale des Bestands sichtbar. Die Bundesstiftung Baukultur ruft dazu auf, gelungene Umbauprojekte zu zeigen und den Austausch über das Weiterbauen zu stärken.

Für die Bayerische Ingenieurekammer-Bau ist damit eine zentrale Aufgabe verbunden: Der Erhalt und die Weiterentwicklung vorhandener Bausubstanz müssen im Planen und Bauen selbstverständlich werden.

Sanieren und weiterbauen statt vorschnell abreißen

Kammerpräsident Prof. Dr. Norbert Gebbeken bei der Sachverständigenanhörung. 
Kammerpräsident Prof. Dr. Norbert Gebbeken bei der Sachverständigenanhörung.

Bereits bei der Sachverständigenanhörung zum Bauen im Bestand im Bayerischen Landtag am 26. November 2024 hat die Kammer ihre Position deutlich gemacht: Das Prinzip „Sanieren vor Neubau“ muss zur Selbstverständlichkeit werden.

Bevor ein Gebäude aufgegeben wird, sind die Möglichkeiten seiner Weiterverwendung oder der Nutzung seiner Bauteile zu prüfen. Sanierung und Umnutzung können vorhandene Ressourcen erhalten und zusätzlichen Materialverbrauch vermeiden.

Vor dem Abriss von Gebäuden muss untersucht werden, ob eine Weiterverwendung des Bauwerks oder seiner Teile unter Erhalt der grauen Energie technisch bzw. wirtschaftlich möglich ist. Eine sorgfältige Bestandsuntersuchung durch Ingenieurinnen und Ingenieure schafft dafür eine belastbare Entscheidungsgrundlage.

Lebenszykluskosten zur Entscheidungsgrundlage machen

Ob Sanierung oder Ersatzneubau: Wer nur die anfänglichen Investitionskosten vergleicht, greift zu kurz. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau fordert, die Lebenszykluskosten zur zentralen Entscheidungsgrundlage zu machen. Dazu gehören neben den Baukosten insbesondere die Kosten für Betrieb, Instandhaltung, spätere Erneuerungen sowie Rückbau und Entsorgung.

Parallel ist die ökologische Bilanz über den gesamten Lebenszyklus zu betrachten - von der Herstellung und dem Transport der Baustoffe bis zum Ende der Nutzung. Kostenrechnung und Klimabilanz ergänzen sich, sind aber nicht dasselbe. Erst zusammen ermöglichen sie eine fundierte Bewertung der Varianten.

Prof. Dr. Norbert Gebbeken, der Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau betont: „Die erste Frage darf nicht lauten: Was können wir neu bauen? Sie muss lauten: Was können wir erhalten und weiterentwickeln? Umbau vor Neubau heißt, vorhandene Bausubstanz als Ressource ernst zu nehmen. Wer Sanierung und Abriss fair vergleichen will, muss die Kosten und die Klimawirkung über den gesamten Lebenszyklus betrachten. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die den Erhalt erleichtern, statt ihn zur Ausnahme zu machen.“

Graue Energie bewahren, Materialien im Kreislauf halten

Im Bestand steckt bereits eingesetzte Energie, etwa für die Herstellung, den Transport und den Einbau von Materialien. Bleiben nutzbare Bauteile erhalten, lassen sich zusätzliche Aufwendungen für neue Baustoffe vermeiden. Wo Rückbau erforderlich ist, sollen Bauteile möglichst wiederverwendet und Materialien in Kreisläufen geführt werden.

Die Kammer schlägt dafür bayernweite Materialbörsen vor. Für öffentliche Bauprojekte fordert sie Quoten für den Einsatz von Recyclingbaustoffen. Das von ihr initiierte Bündnis „Sustainable Bavaria“ versteht Recycling und die lebenszyklusbasierte Nutzung von Baustoffen und Bauwerken als wesentliche Voraussetzungen für das Erreichen der Klimaziele.

Öffentliche Bauherren müssen vorangehen

Für staatliche und kommunale Bauten verlangt die Kammer Energiekonzepte, Material- und Bauteilkarten sowie Entsorgungs-, Recycling- und Weiternutzungskonzepte. Hinzukommen sollen Folgekostenberechnungen. So wird bereits bei Planung und Entscheidung berücksichtigt, wie ein Bauwerk betrieben, angepasst und später weitergenutzt werden kann.

Den Wissenstransfer soll auch der unentgeltliche digitale Zugang zu technischen Normen und bauordnungsrechtlichen Vorschriften erleichtern - einschließlich historischer Normen für den Erhalt von Baudenkmälern.

Der Tag der Umbaukultur ist damit mehr als ein Schaufenster gelungener Projekte. Er lenkt den Blick auf eine grundlegende Weichenstellung: Bestehende Gebäude sind nicht zuerst ein Hindernis für Neues, sondern ein Ausgangspunkt für zukunftsfähiges Bauen.

Die Forderungen der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau geben dafür eine klare Richtung vor: Bestand prüfen, Sanierung priorisieren, Lebenszykluskosten berücksichtigen und Ressourcen möglichst lange nutzen.

Forderungen der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau zum Tag der Umbaukultur

Quelle: Bayerische Ingenieurekammer-Bau


Fortbildungstipp

Ingenieuraufgaben im Bestand - 11.11.2026 - München

Ingenieuraufgaben im Bestand - 11.11.2026 - München

Im Fokus der Tagung in Zusammenarbeit mit der Vereinigung der Prüfingenieure und Prüfsachverständigen in Bayern (VPI und VPSB Bayern) stehen aktuelle Entwicklungen im Bestandsbau, innovative Lösungsansätze sowie Erfahrungen aus der Ingenieur- und Prüfpraxis. Die Vorträge beleuchten sowohl historische Konstruktionen als auch moderne Bauweisen und zeigen auf, wie bestehende Bauwerke sicher, wirtschaftlich und nachhaltig erhalten werden können.

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