Hochwasserschutz in Bayern

Umweltminister Dr. Marcel Huber startet Infokampagne "...und Hochwasserschützer"

Kammerpräsident Prof. Dr. Norbert Gebbeken ist Hochwasser-Botschafter

Der Schutz vor Hochwasser ist eine wesentliche Gemeinschaftsaufgabe. Mit der neuen Informationskampagne "...und Hochwasserschützer" will die Bayerische Wasserwirtschaftsverwaltung flächendeckend für dieses Bewusstsein werben. Das unterstrich Umweltminister Dr. Marcel Huber zum Start der Kampagne am 9. Mai 2018 in Deggendorf.

"Wir wollen in Bayern gemeinsam den Hochwasserschutz voranbringen. Der Freistaat investieren insgesamt rund 3,4 Milliarden Euro in den Hochwasserschutz. Die Mittel dienen dazu, natürliche Rückhalteräume zu schaffen, widerstandsfähigere Deiche zu errichten. Dabei verbessern wir auch die Struktur unserer Gewässer. Dennoch kann es keine absolute Sicherheit vor Naturgefahren geben. Die neue Kampagne soll dafür sensibilisieren, dass jeder Einzelne im notwendigen Maße eigene Vorsorgemaßnahmen trifft", so Huber.

Die Gesichter der Kampagne sind dabei engagierte Menschen, die sich privat oder beruflich vorbildlich für den Hochwasserschutz in Bayern einsetzen, zum Beispiel durch eine hochwasserangepasste Bewirtschaftung der Felder, spezielle Gebäude oder den Abschluss von Versicherungen. Zu den Botschaftern gehören unter anderem Akteure aus der Landwirtschaft, dem Natur- und Katastrophenschutz, der Stadt- und Landschaftsplanung, dem Baugewerbe, aber auch Bürger, Unternehmer und führende Kommunalpolitiker – sie alle leisten einen Beitrag dazu, Schäden für die Gesellschaft durch Hochwasser zu reduzieren.

Auch Prof. Dr. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, ist eines der Gesichter der Kampagne. „Wir müssen unsere Städte und Gebäude dem Hochwasser anpassen. Damit können wir die Schäden deutlich begrenzen", so Gebbeken.

Neue Initiative "Hochwasser.Info.Bayern"

Die Kampagne ist ein zentraler Bestandteil der Initiative "Hochwasser.Info.Bayern" der bayerischen Wasserwirtschaft. Träger sind das Umweltministerium, das Landesamt für Umwelt, die Bezirksregierungen und die regionalen Wasserwirtschaftsämter.

Zeitgleich mit dem Start der Kampagne wurde das Info-Portal www.hochwasserinfo.bayern.de freigeschaltet. Es bietet fundierte Hintergrundinformationen für Bürger, Kommunen, Raum- und Landschaftsplaner, Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft sowie für Architekten und Hausbesitzer.

Das Portal zeigt, was jeder Einzelne vor, während und nach einem Hochwasser tun kann. So bietet die Internetseite beispielsweise Anregungen zum Hausbau und gibt Tipps für den Ernstfall. Auch auf Twitter informiert die Initiative Hochwasser.Info.Bayern unter @Hochwasser_Info rund um das Thema.
Weitere Informationen

Die 14 Hochwasserschützer der Kampagne

Die Kurzprofile und Interviwes mit den Hochwasser-Botschaftern finden Sie hier:
Die 14 Hochwasserschützer der Kampagne

Prof. Dr.-Ing. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau und Hochwasserschützer im Interview: "Wir müssen unsere Städte und Gebäude dem Hochwasser anpassen. Damit können wir die Schäden deutlich begrenzen."

Prof. Dr.-Ing. Norbert Gebbeken ist Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau und beschäftigt sich als Professor für Baustatik an der Universität der Bundeswehr München seit Jahrzehnten mit der Sicherheit baulicher Infrastruktur vor Naturgefahren wie Hochwasser. In Angelegenheiten des baulichen Schutzes hat Prof. Gebbeken bereits zahlreiche Bundesministerien und Bundesämter beraten.

"Stadtplaner, Architekten und Ingenieure haben großen Einfluss auf den Hochwasserschutz. Ihre Entscheidungen und Empfehlungen wirken auf Jahrzehnte. Denn die Art, wie wir bauen und unsere Städte und Kommunen planen, bestimmt ganz maßgeblich das Ausmaß des Schadens im Katastrophenfall. Es gibt heute viele Möglichkeiten, Eigenheime und öffentliche Gebäude so zu konstruieren, dass sich die Folgen eines Hochwassers in Grenzen halten. Und das muss nicht einmal teuer sein."

Wer intelligent baut, kann Hochwasserschäden vermeiden

„Die Hochwasserereignisse der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Folgen dramatisch sein können – Keller fluten, Bodenplatten brechen, Menschen verlieren ihr komplettes zu Hause. Wer intelligent baut, kann viele dieser Schäden vermeiden. Dabei spielen Architekten und Planer eine ganz wichtige Rolle als Berater der Bauherren. Ihr Rat kann im Ernstfall Gold wert sein. Und ihre Planungen wirken oft über Generationen.

Leider ist das Bewusstsein für hochwasserangepasstes Bauen in der Praxis noch relativ gering. Es gibt keine hinreichenden gesetzlichen Vorgaben und nur wenige Lehrveranstaltungen an den Hochschulen. Das Thema ist mir besonders wichtig. Deshalb veranstalten wir bei der Ingenieurekammer Bau regelmäßig interdisziplinäre Seminare rund um den Hochwasserschutz. Damit wir eine breite Wirkung erzielen, sind die Seminare ausdrücklich auch für Teilnehmer offen, die kein Kammer-Mitglied sind. Auf Regionalkonferenzen besonders in hochwassergefährdeten Gebieten versuchen wir das Thema hochwasserangepasstes Bauen auch der Bevölkerung und den Medien näher zu bringen.

Es gibt viele weitere Möglichkeiten, wo sich Architekten und Ingenieure informieren und weiterbilden können. Das sind beispielsweise die Veranstaltungen der DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall) und des Landesamtes für Umwelt. Sie arbeiten auch an Richtlinien und Regelwerken mit wie zum Beispiel der „Hochwasserschutzfibel – Objektschutz und bauliche Vorsorge“ des Bundesbauministeriums. Darüber hinaus informiert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe auf seiner Homepage. Weitere Informationen gibt es beim Deutschen Wetterdienst, dem Geoforschungszentrum in Potsdam und bei den Versicherern.“

Es gibt drei Strategien für hochwasserangepasstes Bauen

„Für die Praxis gibt es viele Tipps und Maßnahmen zum hochwasserangepassten Bauen. Die wichtigsten Strategien sind Ausweichen, Widerstehen und Anpassen. Zum Ausweichen zählen beispielsweise, dass man möglichst auf Keller verzichtet und hochwertige Gebäudeteile höherlegt – also das eigentliche Erdgeschoss als Abstellfläche nutzt und erst im Obergeschoss mit der Wohnnutzung beginnt. Wo ein Ausweichen nicht möglich ist, muss das Gebäude widerstehen. Das kann heißen, dass ein Keller und alle Hausöffnungen druckdicht verschlossen werden, dass die Treppeneingänge höher gelegt werden und dass das Haus auftriebssicher ist. Eventuell können auch mobile Hochwasserschutzmauern installiert werden, deren Haltevorrichtungen aber fest installiert sind. Mit der dritten Strategie „Anpassen“ sollen Schäden minimiert werden. Dazu wird auf Tanks im Keller verzichtet, alle Leitungen sollten im Obergeschoss liegen und gegebenenfalls müssen Keller geflutet werden, um große Schäden durch Auftrieb zu verhindern.

Was spricht dagegen? Die Kosten! Dieses Argument kennt jeder Architekt und Planer. Aber das stimmt selten. Zum einen betragen die Kosten im Katastrophenfall häufig ein Vielfaches. Zum anderen lässt sich schon mit einfachen und preiswerten Mitteln viel erreichen. Nachrüsten ist dagegen oft teurer und komplizierter. Und die Gefahr wird nicht geringer. Die Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes zeigen, dass Extremereignisse in Häufigkeit und Intensität zunehmen.“

Wir müssen interdisziplinär zusammenarbeiten

„Ich plädiere dafür, dass Wasserbauer, Architekten und konstruktive Ingenieure beim Thema hochwasserangepasstes Bauen interdisziplinär zusammenarbeiten. Das versuche ich auch als Gründer und Sprecher des multidisziplinären Forschungszentrums RISK (Risiko, Infrastruktur, Sicherheit und Konflikt) umzusetzen. Als Projektkoordinator beim deutsch-indischen Hochwasserschutzprojekt FloodEvac arbeite ich darüber hinaus gemeinsam mit vielen Partnern an der Entwicklung eines Demonstrators, der als System zur Entscheidungshilfe für Ersthelfer und Evakuierungskräfte dient. Auch dieses Projekt belegt den Erfolg von multidisziplinären Ansätzen im Hochwasserschutz. Wir haben die Chance, sehr viele Menschen auf Jahrzehnte vor einem Großteil der Hochwasserschäden zu schützen. Diese Chance sollten wir nutzen!“

Die 14 Hochwasserschützer der Kampagne

(Fotos: © Foto: © Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz; bayika)

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