Mitreden. Mitgestalten.

Profitieren Sie von den Vorteilen der Mitgliedschaft!

 
 
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
Mitreden. Mitgestalten.
Mitreden. Mitgestalten.

Profitieren Sie von den Vorteilen der Mitgliedschaft!

14
15
16

Extremwetterereignisse – Verantwortung der Ingenieure

Kolumne von Prof. Dr. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, veröffentlicht in der Bayerischen Staatszeitung vom 06.08.2021

06.08.2021 - München

Extremwetterereignisse – Verantwortung der Ingenieure

Extremwetter in Mitteleuropa: Hochwasser, Sturzfluten, Sturmfluten, Dürre, Starkstürme und Tornados, Hagel. Gebaute kritische Infrastrukturen und Gebäude weggerissen, als wären sie aus Nicht-Materie - und unfassbar viele Tote. Kammerpräsident Prof. Dr. Norbert Gebbeken beschäftigt sich in der aktuellen Kolumne in der Bayerischen Staatszeitung mit diesen Extremwetterereignissen und der Verantwortung der Ingenieure für den Schutz der Menschen und Infrastrukturen.

Kommentar / Kolumne

Extremwetterereignisse – Verantwortung der Ingenieure

Vor knapp 50 Jahren saß ich in der Wasserbauvorlesung und lernte, dass wir das Wasser bändigen müssen; kanalisieren, begradigen, Ordnung in die Natur bringen. Zur selben Zeit wurde der Club of Rome gegründet und ich las von Meadows et al. das Buch „Grenzen des Wachstums“. Ich zweifelte an der Technik und belegte im Studium Generale das Fach Ethik.

50 Jahre später – noch nie erfahrene Extremwetter in Mitteleuropa: Hochwasser, Sturzfluten, Sturmfluten, Dürre, Starkstürme und F4-Tornados, Hagel. Gebaute kritische Infrastrukturen und Gebäude, weggerissen, als wären sie aus Nicht-Materie. Die Toten – unfassbar viele. Und eine banale Erkenntnis: Die Natur verhält sich natürlich. So bitter das für uns Menschen sein mag.

50 Jahre „Grenzen des Wachstums“ und immer noch ist der Erfolg aller Volkswirtschaften geprägt vom grenzenlosen Wachstum. Fragen: Warum haben wir die Studien nicht ernst genommen? Wie kommt es zu Katastrophen? Leben wir im Einklang mit der natürlichen Natur? Sind wir überheblich und rücksichtslos gegenüber der Natur? Wiederaufbau. Wiederaufbau?

Wir Ingenieure können sturzflutsichere Häuser bauen, denen Unterspülungen nichts ausmachen. Technisch machbar. Aber sinnvoll? Allein die Kosten werden inakzeptabel. Im Zyklus des Katastrophenmanagements folgt auf die Bewältigung der Krise die Nachbereitung und die Prävention. Die Betroffenen benötigen schnelle Hilfe. Doch beim Wiederaufbau der technischen (kritischen) Infrastruktur und der Gebäude sollten wir uns Zeit nehmen.

Wenn wir klug sind, dann sollten wir Menschen und Infrastruktur nach der Krise besser schützen als vorher. Absolute Sicherheit gibt es nicht und wir wissen derzeit nicht hinreichend genau wie sich Wetterextreme in den nächsten Jahrzehnten entwickeln. Deshalb müssen wir eine Diskussion darüber führen, wie resilient unsere Gesellschaft sein soll. Das ist ein multidisziplinärer Diskurs, bei dem die Technik eine maßgebliche Rolle spielt. Denn nur die Technik kann sagen, was technisch machbar ist und was technische Resilienz kostet. Doch die Gesellschaft muss entscheiden, was akzeptabel ist.

Einerseits ist die Deregulierung gewünscht, um die Eigenverantwortung zu stärken. Das erfordert mehr Eigenkompetenz. Versagt die Eigenverantwortung, dann wird der Staat gerufen. Ist das die praktische Ausführung des Subsidiaritätsprinzips? Wir müssen uns also fragen, wieviel Eigenverantwortung wir tragen wollen und können.

Gerade im Bereich der Einschätzung von Risiken versagen wir Menschen. Ortwin Renn schrieb 2014 „Das Risikoparadox – Warum wir uns vor dem Falschen fürchten“. Wir wägen uns in Sicherheit wo keine ist und fühlen uns unsicher in sicherer Umgebung. Die Transformation von der unsicheren Sicherheit zur sicheren Unsicherheit führt uns in die Risikogesellschaft. Und wir müssen uns fragen, wieviel Unsicherheit bzw. wieviel Sicherheit unsere Gesellschaft verträgt.

Holland sichert sich gegen eine hunderttausendjährige Sturmflut ab. Auch unsere deutschen Küstenregionen sichern sich zumindest gegen eine zehntausendjährige Sturmflut ab. Im Binnenland bleiben wir beim hundertjährigen Hochwasser, auch wenn in Fachkreisen darüber diskutiert wird, ob die Marke HQ100 nicht doch angepasst werden müsste. Wir haben keine hinreichenden Gefährdungskarten für Sturzfluten. F4-Tornados können überall in Deutschland auftreten und Verwüstungen anrichten. Brauchen wir deswegen zukünftig Schutzräume, wie sie in gefährdeten Gebieten der USA vorgeschrieben sind?

Technisch ist vieles möglich. Doch was wir jetzt benötigen, das ist eine breit angelegte Diskussion, die die Resilienz unserer Gesellschaft systemisch analysiert. Wir Ingenieure bringen uns hier ein. Auch in Zukunft müssen wir die Umwelt baulich gestalten. Nicht weil wir Ingenieure das wollen, sondern weil die Gesellschaft Bedarfe formuliert. Wir verstehen uns als Dienstleister an der Gesellschaft.


Kolumne von Prof. Dr. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, veröffentlicht in der Bayerischen Staatszeitung vom 06.08.2021


Artikel zum Download

Auch interessant

Kolumne in der Bayerischen Staatszeitung

Die Kolumne der Kammer in der Bayerischen Staatszeitung

Die Bayerische Ingenieurekammer veröffentlicht einmal im Monat eine Kolumne zu aktuellen Themen in der Bayerischen Staatszeitung. Hier nehmen die Mitglieder des Vorstands der Kammer Stellung zu Themen aus Bauwesen, Politik und Gesellschaft.

Hier haben wir Ihnen alle Kolumnen zum Lesen oder als Download bereitgestellt.

 

Beitrag weiterempfehlen

Die Social Media Buttons oben sind datenschutzkonform und übermitteln beim Aufruf der Seite noch keine Daten an den jeweiligen Plattform-Betreiber. Dies geschieht erst beim Klick auf einen Social Media Button (Datenschutz).

5 gute Gründe für die Mitgliedschaft

Die Kammer auf Social Media

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei Facebook @BayIkaBau   #BayIkaBau
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau auf Instagram #bayikabau
 
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei LinkedIn: #bayika-bau
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei XING #bayerischeingenieurekammer-bau
 
Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau bei YouTube
 

Jetzt Newsletter abonnieren!

Newsletter abonnieren und immer auf dem Laufenden bleiben - Grafik: Web Buttons Inc /  Fotolia

Frage des Monats

Ein Jahr nach dem Wegfall der Mindestsätze nach HOAI erhalte ich für meine Aufträge
Deutlich mehr Honorar
Etwas mehr Honorar
Gleich viel Honorar
Etwas weniger Honorar
Deutlich weniger Honorar

Frühere Ergebnisse

Nachhaltig Planen und Bauen

Klimaschutz - Nachhaltig Planen und Bauen

Digitaltouren - Digitalforen

Digitaltouren - Digitalforen - Jetzt kostenfei ansehen

Netzwerk junge Ingenieure

Netzwerk junge Ingenieure

Werde Ingenieur/in!

www.zukunft-ingenieur.de

Veranstaltungstipps

Veranstaltungstipps

Beratung und Service

Beratung und Serviceleistungen - Foto: © denisismagilov / fotolia.com

Planer- und Ingenieursuche

Planer- und Ingenieursuche - Die Experten-Datenbank im bayerischen Bauwesen

Für Schüler und Studierende

Infos für Schüler und Studierende - © Foto: Drubig Photo / Fotolia.com

HOAI Info-Plattform

HOAI Info-Plattform

Einheitlicher Ansprechpartner

Einheitlicher Ansprechpartner

Berufsanerkennung
Professional recognition

Berufsanerkennung

BayIKA-Portal / Mitgliederbereich

Anschrift

Bayerische Ingenieurekammer-Bau
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Schloßschmidstraße 3
80639 München