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Wirtschaftsfaktor Denkmalpflege

Kolumne von Klaus-Jürgen Edelhäuser, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, veröffentlicht in der Bayerischen Staatszeitung vom 17.09.2021.

17.09.2021 - München

Wirtschaftsfaktor Denkmalpflege

Warum die Denkmalpflege ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist und die eingesetzten Fördermittel dabei nicht nur Arbeitsplätze sichern, sondern auch Steuereinnahmen generieren, erläutert Vorstandsmitglied Klaus-Jürgen Edelhäuser in der aktuellen Kammerkolumne in der Bayerischen Staatszeitung. Und auch im Rahmen der Nachhaltigkeitsdiskussionen zeigt sich der besondere Wert der Denkmalpflege.

Kommentar / Kolumne

Wirtschaftsfaktor Denkmalpflege

Unter dem Motto „Sein und Schein“ bot sich beim „Tag des offenen Denkmals“ wieder die Möglichkeit, zahlreiche Baudenkmäler zu besichtigen und dabei auch besondere Einblicke zu bekommen. Der Zuspruch, den dieser europaweite Tag jedes Jahr erfährt, zeigt, welche Bedeutung Baudenkmäler für unsere Gesellschaft haben.

Der Erhalt und die Instandsetzung von Baudenkmälern sind auch für Ingenieure und Architekten von elementarer Bedeutung.

Video-Statement von Klaus-Jürgen Edelhäuser

 

Die jüngsten Umfragen der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau haben gezeigt, dass sich gut die Hälfte der Ingenieurbüros mit Denkmalpflege befassen, bei vielen ist es sogar eine Kernaufgabe.Das Tätigkeitsfeld erstreckt sich dabei über alle Fachdisziplinen der im Bauwesen tätigen Ingenieure, von der Vermessung über die Tragwerksplanung bis hin zur Gebäudetechnik.

Die Arbeit an Baudenkmälern hat sich auch in Coronazeiten als resilientes Tätigkeitsfeld herausgestellt, da hier häufig die Abhängigkeit von Lieferketten nicht so stark ausgeprägt ist. Grund genug, dass auch der Landesdenkmalrat in einer Resolution gefordert hat, durch mehr Fördermittel im Bereich der Denkmalpflege zahlreiche Arbeitsplätze zu sichern, sowohl bei Planern als auch bei Handwerkern. Die in der Denkmalpflege eingesetzten Fördermittel sichern dabei nicht nur Arbeitsplätze, sondern generieren wiederum Steuereinnahmen – eine Win-win-Situation.

Auch im Rahmen der Nachhaltigkeitsdiskussionen zeigt sich der besondere Wert der Denkmalpflege. Eingriffe im Denkmal erfolgen grundsätzlich vor dem Hintergrund des maximalen Substanzerhalts. Außerdem werden in der Denkmalpflege bei neuen Bauteilen vorzugsweise traditionelle Werkstoffe wie beispielsweise Stroh, Lehm oder Holz eingesetzt, die als ökologische Baustoffe bei der Herstellung mit sehr geringen CO2-Emissionen behaftet sind. Die Wieder- und Weiterverwendung der vorhandenen Bausubstanz als elementares Ziel der Baudenkmalpflege bedeutet auch, dass die in diesen Bauteilen und Baustoffen gebundene „graue Energie“ weiterverwendet wird und, ganz im Sinne der Einsparung von CO2-Emissionen, neue Baustoffe nur in sehr geringem Umfang hergestellt werden müssen.

Zwar können modernisierte Baudenkmäler oft nicht die Energie-Effizienz-Kennwerte eines Neubaus erreichen. Jüngste und noch laufende Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass selbst höhere CO2-Emissionen im Gebäudebetrieb unter Berücksichtigung der Gesamt-CO2-Bilanz hinnehmbar sind und einen (Ersatz)Neubau an Stelle der denkmalgerechten Modernisierung nicht rechtfertigen. Der Erhalt von Bausubstanz bei gleichzeitiger Einsparung von CO2-Emissionen – erneut eine Win-win-Situation.

Schon lange ist es ein Anliegen der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau sich im Bereich der Denkmalpflege zu engagieren. Zahlreiche Publikationen, die in enger Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege erarbeitet wurden, sind inzwischen länderübergreifend zu wichtigen Handreichungen geworden.

„Sein und Schein“, das Motto des diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“, spiegelt indirekt auch die Situation der Ingenieurleistungen im Denkmal wider. Bewundert wird, auch bei Instandsetzungen, häufig das Erscheinungsbild der Denkmäler und damit die optischen und architektonischen Qualitäten. Gute Ingenieurleistungen laufen in der Regel im Hintergrund ab und sind kaum wahrnehmbar. Auszeichnungen für diese versteckten Leistungen gab es lange nicht.

Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau lobt deshalb seit 2008 gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege alle zwei Jahre den Bayerischen Denkmalpflegepreis aus. Ziel des Preises war und ist es, den in der Regel sehr versteckten Leistungen von Ingenieuren die verdiente Aufmerksamkeit zu schenken. Die Anzahl der Einreichungen hat hier bei jeder Auslobung aufs Neue gezeigt, welche immense Bedeutung dieses Tätigkeitsfeld für den Berufszweig der am Bau tätigen Ingenieure darstellt. Für den Bayerischen Denkmalpflegepreis 2022 können sich private und öffentliche Bauherren ab sofort wieder bewerben:

www.bayerischer-denkmalpflegepreis.de


Kolumne von Klaus-Jürgen Edelhäuser, Vorstandsmitglied der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau, veröffentlicht in der Bayerischen Staatszeitung vom 17.09.2021.


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