22.05.2026 - Graz
Ein Team der TU Graz hat eine Ziegelfertigteilwand entwickelt, die sich zerstörungsfrei abbauen und erneut nutzen lässt. Kern des Projekts „Re-Use Ziegelwand“ sind industriell vorgefertigte Ziegelwandelemente, die nicht mit konventionellen Mörtelfugen, sondern reversiblen Fugenlösungen nahezu 100 Prozent rückbaubar gefügt sind. Damit können die Wandelemente nach dem Rückbau eines Gebäudes mehrfach wiederverwendet werden. Das senkt die Emissionen deutlich und schont wertvolle Ressourcen.
Bei der Reduktion des Ressourcenverbrauchs und der Treibhausgasemissionen hat der Bausektor noch einige Aufgaben vor sich. Eine davon betrifft den anfallenden Bauschutt, der beim Abriss von Gebäuden anfällt. Speziell für einen eher kurzen Zeitraum zwischen zehn und 20 Jahren genutzte Bauten wie Verbrauchermärkte schöpfen ihr Reuse-Potenzial zurzeit bei weitem nicht aus.
Im Projekt Re-Use
Ziegelwand hat ein Team der TU Graz gemeinsam mit dem größten heimischen
Ziegelproduzenten wienerberger nun eine Lösung entwickelt, die die Lebensdauer
der Bauteile von jener des Gebäudes entkoppelt. Herzstück sind industriell
vorgefertigte Ziegelwandelemente, die nicht mit konventionellen Mörtelfugen,
sondern reversiblen Fugenlösungen nahezu 100 Prozent rückbaubar gefügt sind. So
können die Wandelemente nach dem Rückbau eines Gebäudes mehrfach
wiederverwendet werden.
„Ziegel sind hochwertige und langlebige Bauelemente und ihre Herstellung ist durchaus ressourcenintensiv. Es bietet daher enorme Vorteile, wenn sie nach der Nutzung eines Gebäudes zerstörungsfrei entnommen und an anderer Stelle wieder genutzt werden können“, sagt Projektleiter Hans Hafellner vom Institut für Bauphysik, Gebäudetechnik und Hochbau der TU Graz.
„Die bisherigen Ergebnisse unserer Untersuchungen zeigen: Durch die Entwicklung einer neuartigen Fugenlösung kann in der zweiten Nutzungsphase durch die Wiederverwendung bereits ein erheblicher Teil der Gesamtemissionen vermieden werden. Über drei Lebenszyklen hinweg sparen wiederverwendbare Ziegelwandelemente gegenüber der konventionellen Bauweise rund 60 Prozent CO2-Emissionen ein", so Hafellner weiter.
Eine besondere Herausforderung bei der Umsetzung der wiederverwendbaren Ziegelwände war es, die Rückbaubarkeit zu gewährleisten und gleichzeitig alle bautechnischen Anforderungen an Tragfähigkeit, Stabilität, Dichtheit und Toleranzen zu erfüllen.
Neben der nicht-permanenten Fugenlösung setzte das Team daher noch auf einige weitere notwendige Elemente. Die Ziegeldicke der Wände beträgt 44 cm und die Ziegel enthalten Dämmwolle, um eine ausreichende Wärmedämmung zu garantieren.
Die vorgefertigten Ziegelwände sind zudem bereits werksseitig verputzt, was den Aufwand auf der Baustelle reduziert. In puncto Statik und Stabilität gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder ist das Gebäudedach schwer genug, um den Bau zu stabilisieren, oder senkrecht durch die Ziegel geführte, vorgespannte Gewindestangen sorgen für die nötige Stabilität.
Anhand eines Demonstratorgebäudes hat das Team seine Entwicklungen getestet. Dabei zeigte sich nicht nur, dass Fugen und Wandaufbauten alle Anforderungen erfüllen, auch nach dem Abbau und Wiederaufbau an einem anderen Ort war das Bauwerk noch voll funktionstüchtig.
Um zu untersuchen, dass
dies auch für Gebäude nach zehn bis 20 Jahren Nutzungsdauer zutrifft, setzen
die Forschenden auf die sogenannte Modalanalyse als zerstörungsfreie
Messmethode auf Basis der Eigenfrequenzbestimmung. Dabei wird der Körper, in
diesem Fall eine Ziegelfertigteilwand, in Schwingungen versetzt und die
Eigenfrequenz im unbeschädigten Zustand bestimmt. Wenn es im Laufe der
Nutzungszeit zu einer Änderung der Eigenfrequenz kommt, lässt sich feststellen,
wie es um die Tragfähigkeit der Wände bestellt ist.
Um zu untersuchen, dass dies auch für Gebäude nach zehn bis 20 Jahren Nutzungsdauer zutrifft, setzen die Forschenden auf die sogenannte Modalanalyse als zerstörungsfreie Messmethode auf Basis der Eigenfrequenzbestimmung. Dabei wird der Körper, in diesem Fall eine Ziegelfertigteilwand, in Schwingungen versetzt und die Eigenfrequenz im unbeschädigten Zustand bestimmt. Wenn es im Laufe der Nutzungszeit zu einer Änderung der Eigenfrequenz kommt, lässt sich feststellen, wie es um die Tragfähigkeit der Wände bestellt ist.
„Das erfolgreiche Errichten, Demontieren und Wiederaufbauen des Demonstrators im großen Maßstab bestätigt die technische Machbarkeit und Robustheit des Systems unter realistischen Bedingungen“, sagt Andreas Trummer, der das Projekt am Institut für Tragwerksentwurf der TU Graz begleitet hat. „Von dieser Lösung profitieren letztendlich nicht nur die Nutzer*innen des Gebäudes, da es am Ende seiner Lebensdauer einen höheren Restwert hat, sondern auch die Umwelt.“
Neben dem Institut für Bauphysik, Gebäudetechnik und Hochbau
sowie dem Institut für Tragwerksentwurf und wienerberger war auch das Labor für
konstruktiven Ingenieurbau der TU Graz an der Forschung beteiligt. Gefördert
hat das Projekt die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG.
Kontakt
Hans Hafellner
Ass.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. BSc Baumeister
TU Graz | Institut für Bauphysik, Gebäudetechnik und Hochbau
Tel.: +43 316 873 6246
hfllnrtgrzt
Andreas Trummer
Assoc.Prof. Dipl.-Ing. Dr.nat.techn.
TU Graz | Institut für Tragwerksentwurf
Tel.: +43 316 873 6212
ndrstrmmrtgrzt
Quelle: TU Graz, Fotos: IBPSC - TU Graz
Die Social Media Buttons oben sind datenschutzkonform und übermitteln beim Aufruf der Seite noch keine Daten an den jeweiligen Plattform-Betreiber. Dies geschieht erst beim Klick auf einen Social Media Button (Datenschutz).
Jetzt Newsletter abonnieren!
Sustainable Bavaria
Nachhaltig Planen und Bauen
Netzwerk junge Ingenieur:innen
Frauennetzwerk ingenieurinnen@bayika
Werde Ingenieur/in!
www.zukunft-ingenieur.de
Veranstaltungstipps
Einheitlicher Ansprechpartner
Berufsanerkennung
Professional recognition
Digitaltouren - Digitalforen
Bayerische Ingenieurekammer-Bau
Körperschaft des öffentlichen Rechts
Schloßschmidstraße 3
80639 München