09.06.2026 - München
Der Forschungsverbund ForBat@Bau unter Leitung der Technischen Universität München (TUM) will ein integriertes Planungs- und Betriebstool für komplexe emissionsfreie Baustellen entwickeln und die beteiligten Akteure zu ganzheitlichen Lösungskonzepten vernetzen. Die Bayerische Transformations- und Forschungsstiftung fördert das auf drei Jahre angelegte Projekt mit 1,9 Millionen Euro.
Baustellen sind nach wie vor geprägt von lauten und stinkenden Dieselmotoren. Zwar gibt es auf dem Markt zunehmend batterieelektrisch betriebene Maschinen und Fahrzeuge, der große Durchbruch hin zur lokal emissionsfreien und energieeffizienten Baustelle scheitert jedoch bislang vor allem am Zusammenwirken und den Abläufen. Dieses herausfordernde Problem soll der neue Forschungsverbund ForBat@Bau lösen, der nun seine Arbeit aufgenommen hat.
Forschungsziel ist ein integriertes Planungs- und Betriebstool für komplexe emissionsfreie Baustellen. Außerdem sollen die Akteure sich vernetzen und gemeinsam an ganzheitlichen Lösungskonzepten arbeiten. Das Programm unter Leitung der Technischen Universität München (TUM) gliedert sich in vier Teilbereiche:
Der Gesamtleiter des Projekts, Prof. Markus Lienkamp vom TUM-Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik, betont: „Wir wollen nicht einfach nur die Dieselmotoren in den Baumaschinen ersetzen. Wir betrachten die Baustelle als Ganzes, inklusive der Bauprozessabläufe, des Anschlusses an das Stromnetz und die Zwischenspeicherung in Batterien, um mit Hilfe der Digitalisierung künftig einen wirtschaftlichen elektrischen Baustellenbetrieb möglich zu machen.“
Die Bauindustrie trägt derzeit global ganz erheblich zur Klimaerwärmung bei. Sie ist für 23 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, wobei 5,5 Prozent direkt auf den Baustellenbetrieb und hauptsächlich auf verbrennungsmotorisch angetriebene Maschinen zurückzuführen sind.
Prof. Johannes Fottner vom TUM-Lehrstuhl für Fördertechnik, Materialfluss, Logistik sagte: „Die bayerische Bau- und Baumaschinenindustrie hat ein enormes Interesse, diese Transformation als Technologieführer zu prägen. Daraus ergeben sich künftig große wirtschaftliche Potenziale, da der Trend weltweit zu mehr Nachhaltigkeit unaufhaltsam und unausweichlich ist.“
Die Bayerische Transformations- und Forschungsstiftung fördert das auf drei Jahre angelegte Projekt mit rund 1,9 Millionen Euro. Als weitere wissenschaftliche Partner sind die Hochschule der angewandten Wissenschaften Landshut und die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg maßgeblich beteiligt. Von Seiten der Industrie kommen der Bayerische Bauindustrieverband und die Bayerische BauAkademie sowie Unternehmen aus den Bereichen Maschinenhersteller, Baufirmen, Verteilnetzbetreiber sowie Messung und Simulation dazu.
Weitere Informationen und Links
Die Bauindustrie leistet einen erheblichen Beitrag zu den globalen CO₂-Emissionen, insbesondere durch den Einsatz verbrennungsmotorisch betriebener Baumaschinen auf Baustellen. Zur Reduktion dieser Emissionen werden in Industrie und Forschung verschiedene alternative Antriebskonzepte diskutiert, darunter batterieelektrische, wasserstoffbasierte und synthetisch kraftstoffbasierte Lösungen. Aufgrund ihrer hohen Gesamteffizienz, lokalen Emissionsfreiheit und des Potenzials für niedrige Betriebskosten zeichnen sich batterieelektrische Baumaschinen dabei zunehmend als bevorzugte Option ab.
Trotz dieser Vorteile ist ihre Marktdurchdringung bislang gering. Zentrale Hemmnisse sind die begrenzte Verfügbarkeit elektrischer Energie auf Baustellen, lange Ladezeiten, unzureichend ausgelegte Netzanschlüsse sowie das Fehlen eines systemischen Ansatzes zur Integration von Maschinen, Energiespeichern und Bauprozessen. Insbesondere bei komplexen Bauvorhaben und leistungsintensiven Maschinenklassen zeigt sich, dass ein isolierter Ersatz von Diesel- durch Elektromaschinen nicht zielführend ist. Der erfolgreiche Einsatz batterieelektrischer Maschinen erfordert vielmehr eine ganzheitliche Betrachtung des Baustellenbetriebs sowie der zugrunde liegenden Energie- und Prozessstrukturen.
Ziel des Forschungsverbunds ForBat@Bau ist es, vollelektrifizierte Baustellen durch einen ganzheitlichen, softwaregestützten Ansatz wirtschaftlich und planungssicher zu ermöglichen. Statt der isolierten Betrachtung einzelner Maschinen sollen Bauprozesse, Maschinen, Energiespeicher, Ladeinfrastruktur und Netzanschluss integriert geplant und betrieben werden. Durch standardisierte Prozess- und Energiedaten, intelligentes Energiemanagement und enge Zusammenarbeit aller relevanten Stakeholder sollen emissionsfreie Baustellen praxistauglich umgesetzt und wirtschaftliche Potenziale erschlossen werden.
Vier zentrale Handlungsfelder wurden identifiziert und werden in Teilprojekten (TP) adressiert:
Die Ergebnisse fließen in ein integriertes Planungs- und Betriebstool für komplexe emissionsfreie Baustellen ein. Über Netzwerkevents, Realdemonstration und andere Disseminationsformen werden die Ergebnisse einem breiten Interessentenkreis zur Verfügung gestellt.
Das gesamte Projekt wird am Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik kooridiniert, sowie das Teilprojekt 2 bearbeitet.
Teilprojekt 2 hat zum Ziel,
Quelle: Technische Universität München (TUM); Fotos: Ines Trautmannsheimer / TUM (1), TUM (2,3)
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