09.06.2026 - Berlin
Beim Politischen Abend der Bundesingenieurkammer am 9. Juni 2026 stand die Rolle des Ingenieurwesens für die erfolgreiche Transformation von Infrastruktur, Klimaanpassung und Wirtschaft im Mittelpunkt. Vertreter aus Politik, Wirtschaft und den Ingenieurkammern diskutierten die aktuellen politischen Rahmenbedingungen - und übten deutliche Kritik an deren wenig mittelstandsfreundlicher Ausgestaltung. Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau war mit Präsident Prof. Dr. Norbert Gebbeken, 1. Vizepräsident Michael Kordon, Vorstandsmitglied Dr. Ulrich Scholz und Geschäftsführer Dr. Andreas Ebert dabei.
Der Präsident der Bundesingenieurkammer, Dr.-Ing. Heinrich Bökamp, machte in seiner Rede deutlich, dass die überwiegend mittelständisch geprägten Ingenieurbüros unter strukturellen Defiziten leiden und ihre Leistungsfähigkeit zunehmend einschränken.
„Ingenieurinnen und Ingenieure sind der Schlüssel zur Umsetzung zentraler Zukunftsaufgaben - von moderner Infrastruktur bis zur klimaresilienten gebauten Umwelt. Doch die politischen Rahmenbedingungen halten mit diesen Anforderungen nicht Schritt“, erklärte der Präsident. „Was fehlt, ist eine konsequent mittelstandsfreundliche Politik, die Planungskapazitäten stärkt und Wettbewerb fördert.“
Nach Einschätzung der Bundesingenieurkammer zeigen sich die Defizite vor allem in steigenden bürokratischen Anforderungen. Diese belasten kleine und mittlere Ingenieurbüros unverhältnismäßig und schwächen ihre Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig stehen steigenden Investitionskosten, Fachkräftemangel und hohen Haftungsrisiken häufig nicht auskömmliche Honorare gegenüber. Hinzu kommt eine unsichere Projektpipeline: Kurzfristige Ausschreibungen erschweren eine nachhaltige Kapazitätsplanung der Ingenieurbüros erheblich.
Mit Blick auf die Infrastrukturpolitik des Bundesverkehrsministeriums betonte die Bundesingenieurkammer, dass Ingenieurinnen und Ingenieuren ausschlaggebend für erfolgreiche Umsetzung der Investitionen aus dem Sondervermögen sind. Ohne ausreichende Planungskapazitäten drohten bereitgestellte Mittel nicht wirksam in konkrete Projekte überführt werden zu können.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, der als Gastredner ein Grußwort hielt, unterstrich die Bedeutung der Planenden für die Modernisierung Deutschlands: „Wir investieren so viel wie nie zuvor in unsere Verkehrsinfrastruktur. Entscheidend ist, dass diese Investitionen schnell und effizient umgesetzt werden. Dafür brauchen wir leistungsfähige Planungsstrukturen und die enge Zusammenarbeit mit den Ingenieurinnen und Ingenieuren.“
Die Bundesingenieurkammer begrüßte die Investitionsoffensive des Bundes, mahnte jedoch eine konsequentere Ausrichtung an den realen Bedingungen des Planungswesens an.
„Es reicht nicht, Milliarden bereitzustellen - sie müssen auch umgesetzt werden können. Dafür braucht es leistungsfähige Ingenieurbüros, verlässliche Rahmenbedingungen und eine Politik, die den Mittelstand gezielt stärkt“, so der Präsident der Bundesingenieurkammer.
Der Politische Abend machte deutlich: Ohne eine strukturelle Stärkung der klein- und mittelständisch geprägten Planungsbüros drohen zentrale Infrastruktur- und Transformationsvorhaben an Umsetzungsengpässen zu scheitern. Und so gab es für die 150 geladenen Gäste im Hamburger Bahnhof in Berlin genügend Gesprächsstoff.
Quelle: Bundesingenieurkammer, Fotos: Frederic Schweizer / BIngK
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