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Buchenholz als Beton-Ersatz

Bauteile aus acetyliertem Furnierschichtholz trotzen der Witterung

22.06.2026 - Kaiserslautern-Landau / Göttingen

Visualisierung eines Aussichtsturmes aus acetylierten Buchen-LVL-Trägern. Der „Albturm“ könnte aus einzelnen, geraden Buchenfurnierschichtholzstäben bestehen, die mit Stahlknotenverbindungen zu einem Gittertragwerk zusammengesetzt werden. Bild: t-lab RPTU 
Visualisierung eines Aussichtsturmes aus acetylierten Buchen-LVL-Trägern. Der „Albturm“ könnte aus einzelnen, geraden Buchenfurnierschichtholzstäben bestehen, die mit Stahlknotenverbindungen zu einem Gittertragwerk zusammengesetzt werden. Bild: t-lab RPTU

Die Entwicklung eines witterungsbeständigen Laubholzbaustoffs für hoch beanspruchte Tragwerke im Außenbereich war das Ziel eines Forscherteams der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) und der Georg-August-Universität Göttingen. Gemeinsam mit zwei Industriepartnern aus der Holzveredelung und der Holzwerkstoffproduktion erprobten die Fachleute Fertigungsvarianten für Bauteile aus formstabilem, hochfestem Furnierschichtholz auf Basis heimischen Buchenholzes.

Das Projekt Acetyliertes Buchen-Furnierschichtholz (ACEBUFU) wurde vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat gefördert.

"Unser Ziel war es, die hohe Festigkeit der Buche dauerhaft für frei bewitterte Holztragwerke nutzbar zu machen. Konkret ging es uns um die Entwicklung und Konstruktion von stabförmigen Bauteilen aus acetyliertem Buchen-Furnierschichtholz - Laminated Veneer Lumber, LVL - für den konstruktiven Holzbau“, berichtet Projektkoordinator Prof. Jürgen Graf von der RPTU.

Ansicht eines gefertigten acetylierten Buchenfurnierschichtholzstabs. Bild: t-lab RPTU 
Ansicht eines gefertigten acetylierten Buchenfurnierschichtholzstabs. Bild: t-lab RPTU

Während sich Buche für die Verwendung im Innenbereich längst bewährt hat, gilt sie im Außenbereich bislang als problematisch, denn das feuchteempfindliche Holz wird schnell von Pilzen befallen, neigt zum Quellen, Schwinden, Reißen und zur Verformung. 

Im Projekt wurden deshalb dünne Buchenfurniere chemisch acetyliert. Dabei verändert sich die Zellstruktur des Holzes, so dass es deutlich weniger Wasser aufnimmt. 

Die Furniere wurden sowohl im Labor- als auch im Industriemaßstab mit unterschiedlichen Klebstoffsystemen verbunden, kalt oder heiß zu mehrlagigen Furnierschichtholzplatten, Lamellen und Trägern verpresst und anschließend umfassend geprüft.

Neues Material eignet sich für Brücken-, Turm- und Tragwerksbau

Knotendarstellung des „Albturmes“. Die einzelnen Holzstäbe sind mit Gewindestangen und Konusadaptern an die Stahlknoten angeschlossen. Die Verbindung ist reversibel, einzelne Holzstäbe können ausgetauscht werden. Alle Stahloberflächen sind schräg angeordnet, um stehendes Wasser zu vermeiden. Bild: t-lab RPTU 
Knotendarstellung des „Albturmes“. Die einzelnen Holzstäbe sind mit Gewindestangen und Konusadaptern an die Stahlknoten angeschlossen. Die Verbindung ist reversibel, einzelne Holzstäbe können ausgetauscht werden. Alle Stahloberflächen sind schräg angeordnet, um stehendes Wasser zu vermeiden. Bild: t-lab RPTU

„Wir haben unter anderem die Wirkung der Furnierdicke auf den Acetylierungsprozess und die Wirkung acetylierter Buchenfurniere auf die Klebbarkeit zu Furnierschichtholz-Lamellen und zu Brettschichtholzträgern aus FSH-Lamellen untersucht“, erklärt Prof. Holger Militz von der Georg-August-Universität. Außerdem wurden Trag-, Verformungs- und Delaminierungsverhalten des Materials analysiert.

Die Untersuchungen zeigen, dass sich die modifizierten Furniere zuverlässig verkleben lassen. Zudem nimmt das acetylierte Buchen-Furnierschichtholz erheblich weniger Feuchtigkeit auf und bewahrt seine Formstabilität selbst unter wechselnden Witterungsbedingungen. Auch unter mechanischer Beanspruchung durch Biege-, Zug- oder Schubkräfte lagen die Kennwerte des Werkstoffs gleichauf mit oder sogar über denen vergleichbarer Holzprodukte.

Das Projektkonsortium empfiehlt die Verwendung der leichten, ausdauernden Bauteile aus acetyliertem Buchen-Furnierschichtholz für filigrane Tragstrukturen an Brücken, Türmen, im Windkraftanlagenbau oder als weitgespannte Tragwerke.

Für die Landesgartenschau 2027 in Neustadt an der Weinstraße soll eine größere Parkplatzüberdachung mit Photovoltaik-Anlage aus dem neu entwickelten Buchen-LVL realisiert werden.

Hintergrund:

Durch Kombination der Acetylierung mit der Furnierschichtholztechnologie eröffnen sich neue Möglichkeiten für langlebige und leistungsfähige Holztragwerke im Außenbereich. Heimisches Buchenholz könnte künftig in Bereichen eingesetzt werden, die bisher vor allem Stahl, Beton oder tropischen Harthölzern vorbehalten waren.

Zwischenstufen und Endprodukt: unbehandeltes Buchenfurnier, acetyliertes Buchenfurnier, acetyliertes Buchen-LVL, acetylierter Buchen-LVL-Träger); Bild: Uni Göttingen/ M. Slabohm 
Zwischenstufen und Endprodukt: unbehandeltes Buchenfurnier, acetyliertes Buchenfurnier, acetyliertes Buchen-LVL, acetylierter Buchen-LVL-Träger); Bild: Uni Göttingen/ M. Slabohm

Projektinformationen

Verbundvorhaben: 

Acetyliertes Buchen-Furnierschichtholz - Buchenholzprodukt für bewitterte Tragwerke - dauerhaft, formstabil, hochfest; Akronym: ACEBUFU

Teilvorhaben 1: 

Mechanische Kennwerte; Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau - Fachbereich Architektur - Fachgebiet Tragwerk und Material

Teilvorhaben 2: 

Verklebung und Fertigungsprozess¸Georg-August-Universität Göttingen - Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie – Abt. Holzbiologie und Holzprodukte

https://projekte.fnr.de/index.php?id=18411&fkzserie=2220HV049

Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V., Fotos: t-lab RPTU (1-3), M. Slabohm /Uni Göttingen (4)

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