29.06.2026 - Ingolstadt
Das „Haus fast ohne Heizung“, ein Projekt der GWG Ingolstadt mit nbundm* Architekten, ist ein wegweisendes Modellprojekt für die zukunftsfähige Wohnungswirtschaft. Es ist eines der 19 Pilotprojekte des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr zur Erprobung des Gebäudetyp-e. Herzstück sind holzfasergefüllte Silvacor-Mauerziegel von Leipfinger-Bader, die durch ihre Dämm- und Speicherfähigkeit maßgeblich dazu beitragen, dass das Gebäude ganzjährig ohne klassische Heiztechnik auskommt.
Ergänzt wird das Konzept durch Estrichziegel mit Heizpapier von Leipfinger-Bader, dem keramischen Trockenestrich mit elektrischer Heizung. Dieses System bietet an kälteren Tagen eine flexible und kosteneffiziente Heizunterstützung. Komplexe Gebäudetechnik wird dadurch überflüssig. So ist ein Mehrfamilienhaus entstanden, das hohen Wohnkomfort mit dauerhaft niedrigen Betriebskosten verbindet. Das als Gebäudetyp-e realisierte Modellprojekt beweist, dass nachhaltiger, wirtschaftlicher und zukunftsfähiger Wohnungsbau mit hochwertigen Baustoffen heute schon Realität ist.
Angesichts drastisch gestiegener Bau-, Grundstücks- und Energiekosten, hoher Zinsen und wachsender regulatorischer Hürden müssen neue Wege gefunden werden, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Ein entscheidender Hebel ist dabei das einfache Bauen mit reduzierter Haustechnik. Denn wo technische Standards sinnvoll vereinfacht und Bauprozesse verschlankt werden, entstehen nicht nur Kostenvorteile, sondern auch nachhaltige und zukunftsfähige Gebäude.
Ein wegweisendes Beispiel für einen solchen Ansatz ist das inzwischen überregional bekannte Projekt „Haus fast ohne Heizung“ der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Ingolstadt GmbH (GWG), geplant vom Architekturbüro nbundm*, an dem Leipfinger-Bader mit seinen Lösungen maßgeblich beteiligt ist.
Das dreigeschossige Mehrfamilienhaus mit 15 öffentlich geförderten Wohnungen ist Teil einer Serie von 19 Pilotprojekten des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr zur Erprobung des Gebäudetyp-e – ein Konzept, das die Vielzahl an Normen und Standards kritisch hinterfragt, um mit abweichenden Lösungen kostengünstige, effiziente und zugleich hochwertige Gebäude zu ermöglichen. Auf Bundesebene wird das Konzept häufig auch als „Gebäudetyp E“ bezeichnet.
Das Projekt wird durch Frau Professor Elisabeth Endres von der Technischen Universität Braunschweig wissenschaftlich begleitet und evaluiert, um zu zeigen, wie Vereinfachungen bei Standards und Bauvorschriften die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit beim Bauen steigern können, ohne dabei auf Sicherheit und Qualität zu verzichten.
Das Projekt erhält Mittel aus der Wohnraumförderung des Freistaats Bayern in Höhe von rund 5,8 Millionen Euro. Davon entfallen 255.700 Euro als Zuschuss für die besonders nachhaltige Bauweise. Ziel ist es, aus den Pilotprojekten Erkenntnisse zu gewinnen sowie Herausforderungen und zukünftige Chancen auszuloten, um passende Ansätze in weitere Projekte zu übertragen.
Auf Bundesebene ist das „Gebäudetyp-E-Gesetz“ im Gespräch, welches das Werk-/Bauvertragsrecht anpassen soll. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat als Orientierungshilfe zudem das Dokument „Leitlinie und Prozessempfehlung“ zum Gebäudetyp E herausgegeben.
Ein Schlüssel zum Erfolg dieses Konzepts ist der innovative Silvacor-Mauerziegel von Leipfinger-Bader. Beim verbauten Typ WS08 handelt es sich um einen Mauerziegel, der die Vorteile massiver Wandkonstruktionen mit den Vorzügen einer natürlichen Dämmung kombiniert. Gefüllt mit sortenreinen Nadelholzfasern, die aus unbehandeltem Nadelholz hergestellt werden, erreicht der Ziegel bei einer wie in Ingolstadt verbauten Wandstärke von 49 Zentimetern einen U-Wert von nur 0,16 W/(m2K).
Diesen verbindet er mit der Fähigkeit, thermische Energie langfristig zu speichern – ohne zusätzliche Dämmschicht oder aufwendige Verbundsysteme. Silvacor-Ziegel bieten damit einen wirkungsvollen Hitzeschutz im Sommer und Wärmeschutz im Winter, was Energieaufwendungen zum Heizen und Kühlen massiv reduziert. Der Silvacor WS08 erreicht bei einer Wandstärke von 49 Zentimetern zudem ein bauakustisches Schalldämm-Maß von bis zu RW,Bau,ref=48,0 Dezibel und sorgt so für effektiven Schallschutz im Geschosswohnungsbau.
Das innovative Kleinkammernsystem gewährleistet darüber hinaus eine hohe Tragfähigkeit. Die natürlichen Materialien fördern ein gesundes Raumklima und bieten ein hohes Maß an Wohngesundheit ohne Schadstoffe.
Dank dieses Ziegel-Holz-Hybrid Baustoffs kann das „Haus fast ohne Heizung“ auf klassische zentrale Haustechnik verzichten. Die Temperierung erfolgt größtenteils passiv: Die massive Gebäudehülle und die Speichermasse der Innenwände und Decken speichern sowohl Sonnenwärme als auch die im Alltag entstehende Abwärme der Bewohner – und geben diese kontinuierlich wieder an die Räume ab. . Die energetische Planung greift zentrale Grundgedanken des 2226-Prinzips auf: Ziel ist es, durch eine leistungsfähige Gebäudehülle, Speichermasse, natürliche Lüftung und intelligente Steuerung ganzjährig stabile Raumtemperaturen mit möglichst reduzierter technischer Gebäudeausrüstung zu erreichen. Die Fachplanung für Energie und Bauphysik übernahm die 2226 GmbH mit Sitz in Lustenau, Österreich.
Die Fenster sind mit einer sensorisch gesteuerten Temperatur- und CO2-Regelung ausgestattet und sorgen für eine natürliche Lüftung mit minimalen Energieverlusten. Die Warmwasserbereitung erfolgt dezentral über Durchlauferhitzer. Der benötigte Strom wird zu einem Großteil über die Photovoltaikanlage auf dem extensiv begrünten Dach erzeugt. Überschüssige Energie kann in Batteriespeichern zwischengespeichert werden. Auf eine Unterkellerung und eine Tiefgarage wurde bewusst verzichtet.
Auch im Inneren setzt das Projekt den technikreduzierten Ansatz mit Lösungen von Leipfinger-Bader fort: Der Estrichziegel in der Farbe „Ingolstädter Rot“ erfüllt nicht nur höchste technische Anforderungen, sondern setzt auch gestalterisch Akzente.
Die effiziente Alternative zum Nassestrich besteht aus hochwertigem, gebranntem Ton. Dank ausgeprägter Druckfestigkeit ist der keramische Estrichziegel besonders belastbar, während die geringe Aufbauhöhe von nur 18 Millimetern flexible Einsatzmöglichkeiten auch bei niedrigen Raumhöhen erlaubt. Die Oberfläche überzeugt durch Abriebfestigkeit und Pflegeleichtigkeit.
Estrichziegel sind
zudem unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit, langlebig und können sowohl als
Sichtbelag - wie in Ingolstadt - als auch als Basis für verschiedene
Bodenbeläge genutzt werden. Das Material ist baubiologisch unbedenklich,
emissionsarm und vollständig recyclingfähig. Die einfache und trockene
Verlegung verkürzt die Bauzeit und sorgt für eine saubere Baustelle.
Durch seine exzellente Wärmeleitfähigkeit ergänzt der Estrichziegel das dünnschichtige Heizpapier von Leipfinger-Bader optimal. In Kombination entsteht eine besonders effiziente und ressourcenschonende elektrische Flächenheizung. Das Heizpapier von Leipfinger-Bader ist dabei eine dünnschichtige, elektrisch leitfähige Wärmequelle mit einer Aufbauhöhe von weniger als einem Millimeter, die direkt unter dem Estrichziegel verlegt wird.
Das
Gesamtsystem ermöglicht eine schnelle, gleichmäßige Wärmeverteilung und schafft
eine autarke, umweltschonende Elektroheizung, die sich mit regenerativen
Energiequellen wie der hauseigenen Photovoltaikanlage koppeln lässt. Das
Heizpapier kommt in Ingolstadt insbesondere an kälteren Tagen zum Einsatz und
bietet so eine flexible, sparsame Heizunterstützung. Durch die schnelle
Reaktionszeit und die hohe Effizienz werden die Heizkosten auf ein Minimum
reduziert und die Betriebskosten dauerhaft gesenkt.
Neben diesen Vorteilen bieten die Ingolstädter Wohnungen
modernen Wohnkomfort auf hohem Niveau: Barrierefreie Zugänge, ein Aufzug,
bodengleiche Duschen, private Gartenanteile und Gemeinschaftsbereiche sorgen
für hohe Aufenthaltsqualität und soziale Durchmischung. Die flexible
Grundrissgestaltung ermöglicht unterschiedliche Wohnkonzepte, etwa für Familien
oder Mehrgenerationenhaushalte.
Das „Haus fast ohne Heizung“ zeigt, wie die Wohnungswirtschaft mit architektonischer Intelligenz, hochwertigen Baustoffen und der Reduktion auf das Wesentliche die aktuellen Herausforderungen meistern kann, um sich zukunftsfähig zu positionieren. Die innovativen Systemlösungen von Leipfinger-Bader bilden dabei das Herzstück. Sie verbinden regionale Produktion, höchste Energieeffizienz und ressourcenschonende Bauweise und schaffen die Grundlage für das energetische Konzept des Hauses.
Das Projekt
definiert neue Standards für leistbaren und ökologisch verantwortungsvollen
Wohnraum. Es zeigt: Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz und soziale Verantwortung
lassen sich im Wohnungsbau schlüssig vereinen – und bilden gemeinsam ein Modell
mit Perspektive.
Bauvorhaben:
Haus fast ohne Heizung – Neubau mit 15 öffentlich geförderten
Mietwohnungen, Ingolstadt
Bauherr:
Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Ingolstadt GmbH (GWG), Ingolstadt
Architekten:
nbundm* neuburger, bohnert und müller Architekten BDA und
Stadtplaner, Partnerschaft mbB, München
Außenanlagenplanung:
Paul Melia, Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft
Ingolstadt GmbH (GWG), Ingolstadt
Fachplanung Energie und Bauphysik:
2226 GmbH, Lustenau, Österreich
Ausführung:
Bacher Hoch- und Tiefbau GmbH, Ingolstadt
Förderung:
Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr,
München
Wissenschaftliche Begleitung:
Frau Professor Elisabeth Endres, Technische
Universität Braunschweig, Institut für Bauklimatik und Energie der Architektur,
Braunschweig
Mauerziegel/Estrichziegel/Heizpapier:
Leipfinger-Bader, Landshut
Bauzeit:
2024 bis Ende 2025
Quelle: Leipfinger-Bader GmbH, Fotos: Sebastian Schels, Grundriss: nbundm* Architekten
16.09.2026 - München
Der Gebäudetyp-e stellt besondere Anforderungen an Planung, Tragwerksplanung und Statik. Im Seminar erhalten Sie einen praxisnahen Einblick in die spezifischen Herausforderungen und Lösungsansätze, die beim Gebäudetyp E relevant sind. Erfahrene Expert:innen aus Forschung und Praxis vermitteln die Grundlagen, zeigen Standards auf und stellen Praxisbeispiele vor. Sie erhalten Einblicke in Aspekte der Gebrauchstauglichkeit, die Umsetzung der Tragwerksplanung bei realen Projekten sowie zum Hamburg-Standard und dem rechtlichen Rahmen.
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