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Neue Studie: Zukunftsbranche Bau: Wahrnehmung und Perspektiven

Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie

01.09.2026 - Berlin

Neue Studie: Zukunftsbranche Bau: Wahrnehmung und Perspektiven

Das Vertrauen schwindet: Die abgeschwächte wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre in Deutschland im Allgemeinen, aber auch die Baukonjunktur im Besonderen hat Spuren bei der Wahrnehmung aller Wirtschaftsbereiche in der Bevölkerung hinterlassen. Davon ist auch die Baubranche betroffen. Das ist das Ergebnis der vom Hauptverband der Deutschen Bauindustrie beauftragten Allensbach-Studie „Zukunftsbranche Bau: Wahrnehmung und Perspektiven“.

Hintergrund und Kernaussage

Die aktuelle Untersuchung zur Lage der Bauwirtschaft aus Sicht der Bevölkerung stützt sich auf 1.057 Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahre. Die Interviews wurden zwischen dem 23.3. und 9.4. durchgeführt.

Die abgeschwächte wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre in Deutschland im Allgemeinen, aber auch die Baukonjunktur im Besonderen hat Spuren bei der Wahrnehmung aller Wirtschaftsbereiche in der Bevölkerung hinterlassen. Davon ist auch die Baubranche betroffen: Alle Umfrageergebnisse haben sich - nach vorherigen deutlichen Verbesserungen im Zuge des Bauaufschwungs im Vergleich zur vorherigen Umfrage leicht verschlechtert, der allgemeine Trend der letzten 15 Jahre ist für die Bauwirtschaft jedoch weiterhin positiv. Allensbach geht deshalb davon aus, dass sich die Wahrnehmung rasch wieder verbessern wird, sollte der Bauwirtschaft die Trendwende gelingen.

Bedeutung der Bauwirtschaft

Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Branche steht für die Mehrheit der Bevölkerung außer Frage: Rund zwei Drittel rechnen die Bauwirtschaft zu den fünf Branchen, die für die deutsche Wirtschaft besonders wichtig sind. Damit liegt der Anteil unter dem Spitzenniveau von 2024 (74 %), er liegt mit 65 % aber immer noch deutlich über dem Niveau früherer Jahre.

Im Ranking hat die Bauwirtschaft damit leicht verloren: Sie steht nun auf Platz 5 (2024: Platz 3). Die Autohersteller stehen nach wie vor auf Platz 1, gefolgt vom Handwerk. An Bedeutung gewonnen haben die Maschinenbauindustrie (Platz 3) und die Energieversorger (Platz 4).

Zustand der Infrastruktur / Wohnsituation

Dass die Kritik der Bevölkerung am Zustand der Infrastruktur wächst, hat auch damit zu tun, dass weite Teile der Bevölkerung mittlerweile von den Mängeln in der Verkehrsinfrastruktur persönlich betroffen sind: 35 % der Bevölkerung gaben an, dass sie vom schlechten Zustand der Verkehrsinfrastruktur in Deutschland sehr stark oder stark betroffen seien. Nur 17 % belasten die Probleme bei der Verkehrsinfrastruktur nicht.

Hinsichtlich des Mangels an Wohnraum ist die persönliche Betroffenheit laut Interpretation von Allensbach nicht ganz so weit verbreitet, wie es der Stellenwert dieser Forderung in der politischen Agenda der Bevölkerung vermuten ließe. 11 % sind persönlich (sehr) stark vom Wohnungsmangel in Deutschland betroffen, zwei Drittel betrifft der Wohnungsmangel hingegen gar nicht. Dieser vermeintlich geringe Anteil darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser auf die Gesamtbevölkerung gesehen repräsentativ für über 9 Millionen Menschen steht. Zudem sind fast ausschließlich Personen in Ballungsräumen betroffen, wodurch die persönliche Betroffenheit von jedem Zehnten u.E. sehr hoch ist.

Die Bevölkerung glaubt nicht daran, dass es in den kommenden Jahren zu erkennbaren Fortschritten kommen wird: Nur 16 % erwarten dies für die Infrastruktur und lediglich 8 % für das Angebot an Wohnraum. Knapp zwei Drittel zeigen sich hingegen skeptisch, dass es zu Fortschritten beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur kommen wird, drei Viertel, dass das Angebot an Wohnraum in den nächsten Jahren deutlich besser wird. Diese Aussagen sind umso beachtenswerter, da vor dem Hintergrund dieser Dramatik das Sondervermögen beschlossen wurde.

Bauherrenkompetenz

Die Mehrheit der Bürger*innen ist sich einig, dass der Staat nicht der geeignete Bauherr für große Bauprojekte ist: Lediglich 11 % meinen, dass der Staat große Bauprojekte besser organisieren und betreuen kann, 43 % haben mehr Vertrauen in private Bauunternehmen.

Immerhin knapp jeder Dritte ist überzeugt, dass es keinen Unterschied macht - Tendenz steigend. Der Trendvergleich zeigt, dass der Eindruck, dass private Bauunternehmen die besseren Bauherren sind, bereits seit Jahren besteht, allerdings mit leicht abnehmender Tendenz. Dass der Staat besser geeignet sei, glaubten auch in früheren Untersuchungen nur wenige.

Zukunftsaussichten

Die mittlerweile vier Jahre andauernde wirtschaftliche Schwächephase und die unverändert eher trüben Zukunftsaussichten wirken sich auch erkennbar auf die Einschätzung der Bevölkerung aus, welche Branchen gute (wirtschaftliche) Zukunftsaussichten haben. Der Mehrheit aller Branchen werden von der Bevölkerung eher schlechtere Zukunftsaussichten bescheinigt als noch vor vier Jahren. Insbesondere die Autohersteller waren betroffen.

Entsprechend schlechter werden auch die Zukunftsaussichten für die Bauwirtschaft eingestuft: Rechnete 2022 noch jeweils rund jeder Zweite mit guten Aussichten, so sind es aktuell nur noch 37 %. Der kontinuierliche Anstieg seit 2007 (12 %) ist vorerst beendet. Dies dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass vermehrt der Eindruck besteht, dass der Staat zu wenig in die Infrastruktur investiert (s.u.).

Herausforderungen für die Bauwirtschaft

Die Ergebnisse zeigen, dass die Bevölkerung eine klare Vorstellung über die Herausforderungen der Branche hat. So sehen 83 % der Bevölkerung in dem Mangel an Fachkräften die größte Herausforderung für die Bauwirtschaft, 77 % in den hohen Energiepreisen und jeweils 75 % in den hohen Roh- und Baustoffpreisen sowie in den vielen staatlichen Vorgaben und Regulierungen. Weitere 65 % geben die hohen Klimaschutzauflagen beim Bauen an, 64 % Lieferprobleme bei Roh- und Baustoffen und 57 % die allgemeine Unsicherheit über die Lage in Deutschland und der Welt. 52 % bewerten auch die zu geringen Investitionen des Staates in die Infrastruktur als große Herausforderung; nahezu ebenso viele sind der Meinung, dass Deutschland bei der Digitalisierung hinterherhinkt. Dass deren Umsetzung in den Unternehmen hinterherhinkt, gaben 30 % an. Deshalb denkt auch nur jeder Vierte bei der Bauwirtschaft an Digitalisierung (s.u.).

Letzteres kann auch mit dazu beigetragen haben, dass der Eindruck von Fortschrittlichkeit leicht rückläufig ist: 2022 gaben noch 46 % an, dass die Bauwirtschaft eine fortschrittliche Branche ist, nur jeder zehnte hielt sie für rückständig. Aktuell liegt der Anteil bei 40 % zu 18 %. Entsprechend ist die Assoziation mit Innovationen rückläufig (s.u.).

Im Vergleich zu 2022 haben sich einige Einschätzungen signifikant verändert. So hat sich in der Bevölkerung vor allem der Eindruck verstärkt, dass der Staat zu wenig in die Infrastruktur investiert (24 auf 52 %) und dass er den Bauunternehmen zu viele Vorgaben macht - und zwar sowohl ganz allgemein als auch im Bereich des Klimaschutzes. Ein Anstieg von 59 auf 75 % in vier Jahren unterstreicht, wie gravierend die Bevölkerung das Problem mittlerweile einstuft.

Attraktivität der Bauwirtschaft als Arbeitgeber

Auch wenn die Zukunftsaussichten der Bauwirtschaft derzeit etwas kritischer eingestuft werden, zählt die Mehrheit der Bevölkerung sie nach wie vor zu den Top-2 Branchen mit den sichersten Arbeitsplätzen: 52 % sind überzeugt, dass die dortigen Arbeitsplätze auch in Zukunft sicher sind. Nur das Handwerk wird noch besser beurteilt (61 %). Aber auch hier wird im Trendverlauf sichtbar, dass die Bauwirtschaft – wie die meisten anderen Branchen auch – derzeit kritischer gesehen wird als noch 2022 (60 %).

Das verhaltenere Urteil spiegelt sich auch in der allgemeinen Einschätzung der Arbeitgeberattraktivität der Bauwirtschaft wider: Auf einer Skala von +5 (sehr attraktiv) bis -5 (sehr unattraktiv) wählt aktuell zwar immer noch jeder Zweite einen der fünf oberen Skalenpunkte und nur 22 % wählen einen der fünf negativen Skalenpunkte, vor vier Jahren stuften aber noch zwei Drittel der Bevölkerung die Bauwirtschaft als attraktiven Arbeitgeber ein, nur 14 % als unattraktiven. In der jungen Generation wird die Arbeitgeberattraktivität derzeit besonders kritisch eingeschätzt.

Im Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchskräfte spielen auch die Aussicht auf gute Verdienstmöglichkeiten eine Rolle: Hier gilt die Bauwirtschaft im Vergleich zu vielen anderen Branchen eher als weniger attraktive Branche und landet auf Platz 13. Nur 27 % der Bevölkerung glauben, dass die Unternehmen der Bauwirtschaft gute Verdienstmöglichkeiten bieten (2022: 36 %). Bei der jungen Generation fällt der Anteil aber etwas höher aus (32 %). Hier steht die Antwort der Befragten im direkten Gegensatz zu den eigentlichen tariflichen und außertariflichen Möglichkeiten im Vergleich der Branchen untereinander. Es zeigt, dass diese der Bevölkerung in weiten Teilen noch nicht bekannt sind.

Die Wahrnehmung hinsichtlich der Attraktivität fällt allerdings unterschiedlich aus, je nachdem, ob sie als Arbeitgeber für Absolventen einer Lehre oder eines Studiums zur Diskussion gestellt wird. 41 % der Bevölkerung glauben, dass junge Leute, die eine Lehre abgeschlossen haben, in der Bauwirtschaft interessante und vielseitige berufliche Möglichkeiten vorfinden. Die Bauwirtschaft steht damit auf Platz 4. Für Akademiker glauben dies hingegen nur 21 % der Bevölkerung (Platz 11) (2022: 26 %), von der jungen Generation sogar nur 15 %. Diese Wahrnehmung zeigt – wie auch beim Punkt davor – auf, dass die Branche noch besser über die Chancen und Perspektiven kommunizieren muss als bisher.

Potenziale für eine Tätigkeit in der Bauwirtschaft

Die Potenziale für eine Tätigkeit in der Bauwirtschaft sind laut Allensbach beachtlich: So liegt das weite Potenzial für eine Tätigkeit im handwerklich-gewerblichen Bereich bei den unter 45-Jährigen bei 19 %. Allerdings können sich nur 5 % auf jeden Fall eine Tätigkeit vorstellen, 14 % eventuell. Im technisch / kfm. Bereich liegt der Anteil mit 7 bzw. 32 % höher. Die Anteile fallen bei Männern erwartungsgemäß deutlich höher aus als bei Frauen.

Letzteres zeigt sich auch bei der Frage, ob man im Bekanntenkreis empfehlen würde, einen Beruf in der Bauwirtschaft zu wählen. Bei einem Mann würden 32 % den Plan unterstützen und 5 % abraten. Bei einer Frau liegen die Anteile bei 23 % zu 15 %. Der erste Grund zum Abraten ist aber geschlechtsunabhängig: Jeder zweite nennt als Grund, dass die Arbeit körperlich zu anstrengend sei. Bei einer Frau kam als zweiter wichtiger Grund (37 %) noch hinzu, dass es sich um einen Männerberuf handelt und somit nichts für Frauen sei.

Assoziation mit der Bauwirtschaft und Image von Tätigkeiten in der Bauwirtschaft

An der Spitze der Begriffe, die mit der Bauwirtschaft assoziiert werden, stehen unverändert und mit weitem Abstand harte körperliche Arbeit (93 %) und fehlende Fachkräfte (81 %). Erst danach folgen die positiv besetzten Assoziationen, wie hohe Leistungsfähigkeit (54 nach 67 % in 2022), Kompetenz (50 %), Innovation (45 % nach 50 %), Nachhaltigkeit (42 %), krisensicher (32 nach 53 %) und Digitalisierung (24 %).

Wenn sehr viel konkreter nach dem Image von Tätigkeiten in der Bauwirtschaft gefragt wird, verbindet damit nahezu jeder Befragte körperlich anstrengende Arbeiten und harte körperliche Belastungen. Jeweils 74 % ein hohes Unfallrisiko und das Vorhandensein vieler ausländischer Arbeitskräfte. An lange und unregelmäßige Arbeitszeiten denken 53 %. Auch hier zeigt sich, dass die vielen Entwicklungen der vergangenen Jahre, sei es im Bereich der Digitalisierung, industrieller Bauweisen sowie im Bereich der Baumaschinen einem weiten Teil der Bevölkerung noch nicht bekannt sind. Körperlich anstrengende Arbeiten gehören in vielen Bereichen der Bauwirtschaft der Vergangenheit an, womit sich auch das Unfallrisiko minimiert hat.

Deutlich weniger assoziieren mit einer Tätigkeit in der Bauwirtschaft hingegen positive Aspekte: Immerhin 48 % verbinden mit ihr auch eine hohe Verantwortung, 42 % das Arbeiten mit moderner Technik und modernen Maschinen, 41 % vielfältige berufliche Möglichkeiten.

Zwei Drittel halten die Chancen für ungelernte Arbeitskräfte in der Bauwirtschaft für besonders gut, aber nur 27 % glauben, dass dort viele qualifizierte Fachkräfte arbeiten. Nur wenige glauben an gute Weiterbildungsmöglichkeiten (16 %), gute Aufstiegschancen (13 %) und gute Chancen für Frauen (8 %). Auch hier zeigt sich, dass die Fortschritte innerhalb der Branche noch nicht in der breiten Bevölkerung angekommen sind, schließlich steigt der Anteil der Frauen am Bau seit einigen Jahren an. Hierzu hat auch das vom HDB gegründete Frauennetzwerk Bau beigetragen.

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© Quelle: Hauptverband der Deutschen Bauindustrie, Foto: Oliver Böhmer - bluedesign Adobe Stock (eigene Bearbeitung)

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